Meinung

Inhumane Saudi

Von Ignaz Staub. Aktualisiert am 22.07.2009

Ignaz Staub.

Ignaz Staub.

Anfang Woche ist bekannt geworden, dass Grossbritannien einer saudischen Prinzessin heimlich Asyl gewährt hat, die in London ein aussereheliches Kind zur Welt gebracht hatte. Sie riskiere, sagte die Tochter aus bestem Haus, in der Heimat als Ehebrecherin gesteinigt oder Opfer eines Verbrechens aus Ehre zu werden.

Solche Fälle werden nur selten publik. Die Staatsräson gebietet, sie unter dem Deckel zu halten – um einerseits das Königshaus in Riad nicht zu beleidigen und anderseits lukrative Wirtschaftsbeziehungen nicht zu gefährden. Die Schweiz hat im Fall von Hannibal Qadhafis Genfer Eskapaden zu spüren bekommen, dass es sich rächt, bei autokratischen Regimes Recht vor Gnade walten zu lassen. In einem Rechtsstaat aber ist es der einzig mögliche Weg.

In ihrem jüngsten Bericht wirft die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Saudiarabien schwere Menschenrechtsverletzungen im Kampf gegen den Terror vor. Es ist nicht der erste Report, der das Königreich kritisiert, und es dürfte auch nicht der letzte bleiben. Dass Saudiarabien entrüstet dementiert, gehört zum Ritual.

Zum Ritual gehört leider auch, dass der Westen, der anderswo die Einhaltung von Menschenrechten lauthals anmahnt, im Nahen Osten weitgehend stumm bleibt – nicht nur gegenüber Saudiarabien. Früher war es vor allem die Angst vor einer Störung der Ölversorgung, die westliche Regierungen über Menschenrechtsverletzungen in der Region hinwegsehen liess. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 geschieht es auch aus Rücksicht auf Verbündete im Krieg gegen den Terror. Dass diese unter dem Deckmäntelchen der Terrorbekämpfung oft nur den eigenen Machterhalt betreiben, nehmen die westlichen Länder in Kauf.

In diesem Zusammenhang gehört zwingend erwähnt, dass der Westen selbst es mit der Achtung der Menschenrechte nicht so genau nimmt, wenn Eigeninteressen auf dem Spiel stehen. Noch sind Abu Ghraib oder Guantánamo unvergessen. All das sollte uns aber nicht daran hindern, gegen Menschenrechtsverletzungen zu protestieren, wo immer sie vorkommen – nicht um unserer selbst, sondern um der Opfer willen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.07.2009, 23:50 Uhr

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