Meinung

Irak-Krieg holt Obama ein

Von Christof Münger. Aktualisiert am 22.04.2009 5 Kommentare
Christof Münger.

Christof Münger.

Seit Tagen wissen wir, wen amerikanische Beamte wie und wann gefoltert haben. Nun wissen wir auch, weshalb. Das verschärft den Skandal noch: Spätestens ab Mitte 2002 wollten die US-Behörden aus ihren Gefangenen den Beweis herauspressen, dass Osama Bin Laden und Saddam Hussein unter einer Decke steckten. Der Angriff auf den Irak war zu diesem Zeitpunkt beschlossene Sache. Das Geständnis eines Al-Qaida-Terroristen, dass diese Verbindung besteht, sollte der Regierung George W. Bush schwarz auf weiss den ersehnten Kriegsgrund liefern.

Doch ein solches Geständnis wurde nie publik: Offensichtlich erzählten die Häftlinge unter Folter alles, nur nicht, dass Saddam und Osama gute Freunde seien. Kein Wunder, denn der säkulare Gewaltherrscher von Bagdad arbeitete nicht mit einem islamistischen Terrorchef zusammen. Noch weniger wollte er al-Qaida Massenvernichtungswaffen liefern: Für Alleinherrscher Saddam war das zu riskant.

Trotzdem liessen Bush und sein Vize Dick Cheney keine Gelegenheit aus, auf angeblich starke Indizien einer Kooperation zwischen Bagdad und al-Qaida hinzuweisen. Noch penetranter warnten sie fortan vor irakischen Massenvernichtungswaffen – was sich ebenso als Hirngespinst entpuppte wie die Verbindung zwischen dem Irak und al-Qaida. Die Folgen spüren die USA bis heute, die amerikanische Glaubwürdigkeit bleibt angeschlagen: Die jüngste Enthüllung, wonach für die Konstruktion eines Kriegsgrunds Gefangene gefoltert wurden, macht es noch viel schwieriger, das Vertrauen in die USA wiederherzustellen.

Wahl und Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama können diese Fehler nicht ausmerzen. Wegen der globalen Wirtschaftskrise ist verständlich, dass Bushs Nachfolger nicht zurückblicken, sondern die Zukunft anpacken möchte. Doch mit Nationen ist es wie mit Menschen: Die Verdrängung ungelöster Probleme rächt sich. Will Obama vermeiden, dass der Schmutz der Bush-Jahre an ihm haften bleibt, genügt es nicht, dass die Justiz oder eine Kongress-Kommission den Folterskandal aufarbeitet. Obama muss auch das gesamte für den Irak-Krieg errichtete Lügengebäude durchleuchten. Erst dann kann er es einreissen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.04.2009, 23:14 Uhr

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5 Kommentare

Hans Zimmerli

23.04.2009, 08:13 Uhr
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Was sich Herr Bush von 2000- 2008 geleistet hat ist total kriminell. Er verurteil aber arbische Staaten als die Achse des Bösen und unterstützte Israel im Siedlungsbau/Mauerbau und Land Enteignung und im Dez. 2008 den Gazafeldzug. Israel will klar ein Grossisrael mit Jerusalem als Hauptstadt. Iran erobert kein Land im Namen Gottes. Israel droht Iran mit der Atombombe. Wer ist jetzt rassistisch? Antworten


Hansueli Christener

23.04.2009, 12:55 Uhr
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Schade, dass Christof Münger seine klugen Ratschläge nicht direkt an Präsident Obama richten darf; solch scharfsinnige Überlegungen würden jedes Beratergremium bereichern. Ich freue mich jedesmal, wenn Miteidgenossen im Allgemeinen und Schweizer Journalisten im Besonderen die Welt belehren wollen, woran sie zu gesunden hätte. Antworten