Kehrseite der Medaille
Von Liliane Minor. Aktualisiert am 24.03.2010 7 Kommentare
Liliane Minor.
Am Wochenende musste ein 17-Jähriger in Zürich das Leben lassen. Er wurde im Ausgang nach einem Streit von einem Unbekannten erstochen.
Die Tat ist die dramatische Folge einer gefährlichen Unsitte, die in Zürich grassiert: Immer mehr junge Männer gehen nur mit einem Messer bewaffnet aus. Mittlerweile sind Prügeleien und Messerstechereien in Zürichs Ausgehvierteln Wochenende für Wochenende zur traurigen Routine geworden – zum Glück meist ohne Todesfolge.
Die sinnlose Tat vom letzten Samstag macht nachdenklich: Wird das Ausgehen in Zürich zu gefährlich? Kann man nichts gegen die zunehmende Gewalt tun? Auf beide Fragen gibt es nur eine Antwort: kaum.
Die zunehmende nächtliche Gewalt ist die Kehrseite einer Medaille, welche die Stadt gewollt hat und auf die manch ein Zürcher stolz ist: Hier brummt das Nachtleben, hier ist – vor allem im Vergleich mit anderen, ähnlich grossen Städten im Ausland – am Wochenende unglaublich viel los.
Zürich zahlt damit den Preis für zwei fortschrittliche Errungenschaften: Die eine ist die Liberalisierung des Gastgewerbes, welche diese Ausgehszene überhaupt erst ermöglicht hat. Die zweite ist das immer bessere Nachtnetz von Tram, Bus und Bahn. Dank diesem Angebot können die Leute heute länger ausgehen und dabei auch mehr Alkohol konsumieren. Es ist ein hoher Preis, gewiss. Senken lässt er sich kaum mit vernünftigem Aufwand. Die Polizei holt schon heute Betrunkene von der Strasse. Aber auch wenn sie noch präsenter wäre, könnte sie niemals alles sehen. Und man kann den Leuten weder den Konsum von Alkohol noch grundsätzlich das Tragen von Messern verbieten.
Man sollte auch die Relationen nicht ausser Acht lassen: Wenn man in Betracht zieht, welche Menschenmassen jedes Wochenende in die städtischen Ausgehmeilen pilgern, dann ist die Zahl der gewalttätigen Streitereien vergleichsweise gering.
Wohlverstanden: Das ist kein Aufruf zur Resignation. Die Gesellschaft soll und darf diese Entwicklung beklagen und verurteilen. Aber kurzfristiger Aktivismus wird nichts bringen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.03.2010, 09:10 Uhr
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Klar, kein Problem! 300 Tote im Strassenverkehr, das macht auf 52 Wochenende knapp 6 Erstochene. Davon sind wir noch weit entfernt und schliesslich nehmen alle weiter am Strassenverkehr teil. Mein Mitgefühl gilt den Eltern des ermordeten Jünglings. Es ist so traurig. Antworten



