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Libyens beugsamer Lobbyist

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 15.06.2010 4 Kommentare

Oliver Meiler

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Beinahe wäre er zu spät gekommen. Wer am Sonntag die Depeschen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa verfolgte, dem kam es vor, als stünde in Tripolis das politische Schicksal von Silvio Berlusconi auf dem Spiel. Wegen Max Göldi.

Italiens Ministerpräsident war am Mittag noch in Sofia und prahlte dort mit seinem Erfolg bei den Frauen («Ich bin reich, ich bin nett: Die Frauen stehen Schlange»). Die Ansa zählte derweil die Stunden: Schafft er es noch? Dann flog Berlusconi schnell nach Libyen, wo es einen Strauss Lorbeeren zu holen gab und gesellte sich zu den wartenden Ministern aus der Schweiz, aus Spanien und Malta – vor dem Zelt von Muammar al-Ghadhafi. Eine Weile lang kursierte gar das Gerücht, Berlusconi könnte Göldi zurückbringen, mit ihm nach Zürich fliegen und als grosser Befreier auftreten. Dieser Auftritt immerhin blieb uns erspart. Momente der Schmach gab es in dieser unseligen Affäre schon genügend.

So bleibt die Frage, wie gross Berlusconis Verdienst um Göldis Freilassung nun tatsächlich war. Und wie bedeutsam jener Spaniens und Deutschlands. Libyens Regierung richtet aus, das Engagement Berlusconis sei «entscheidend» gewesen. Details nennt sie keine. Doch das ist auch nicht nötig: Hier spielen sich zwei Partner den Ball zu, zufrieden über die jeweilige Rolle und zurzeit befriedet in ihren Beziehungen. Die Scharten ihrer gemeinsamen, vom Kolonialismus gezeichneten Geschichte vor zwei Jahren sind mit einem Wiedergutmachungsdeal ausgewetzt. Sie handeln rege miteinander, machen Geschäfte mit Öl und Gas, besuchen sich regelmässig auf höchster Ebene.

Bücklinge gefallen Ghadhafi

Rom fungiert als Lobbyist Libyens, als dessen Brücke zum Rest der Welt, als Powerbroker in den meisten grossen Dossiers. Vielleicht ist Berlusconi unter allen Regierungschefs jener, der es am besten versteht, wie man mit Ghadhafi umgehen soll, wenn man etwas von ihm will und kein Problem darin erkennt, sich dabei zu erniedrigen: Er küsste dem Herrscher auch schon die Hand zur Begrüssung, nannte ihn wegen seiner Langlebigkeit an der Macht einen «Superprofi», sich selber im Vergleich einen «Amateur».

Bücklinge gefallen dem Diktator im Zelt. Sie sind die Währung für so manchen Tauschhandel, für viele nette Worte und fette Geschäfte. Nur braucht man dafür ein sehr beugsames Rückgrat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.06.2010, 21:39 Uhr

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4 Kommentare

Michele Castelini

15.06.2010, 07:42 Uhr
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typisch schweiz, immer alles an berlusconi kritisieren. seid doch einfach froh das er sich für göldi eingesetzt hat. klar bringt im das pr ein, aber denkt ihr die spanier und deutschen tun es um sonst.??? trotz allem denke ich, er hat mit seinem aftritt mehr bewirkt als die ganze schweizer delegation in den letzten zwei jahren zusammen!!! das würde mich als schweizer viel mehr belasten..saluto Antworten


Reto Huber

15.06.2010, 11:45 Uhr
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Dumm ist nur wer sich noch darüber wundert dass unsere italienischen "Freunde" das Lager blitzschnell gewechselt haben und die Schwäche der Schweiz schamlos zum eigenen Profit ausnutzen. Berlusconi stellt Italien dar und es passt perfekt. Grossmäulig und schleimerisch aber immer auf Seiten der Gewinner grad so wie es immer schon war. Antworten