Machtkampf verloren
Stefan Häne.
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Adrian Baumann, Chef des Zürcher Migrationsamts, ist seinen Job los. Und das, obwohl er sich laut Untersuchungsbericht nichts hat zuschulden kommen lassen, was Grund für eine Absetzung wäre: Weder hat er Sexbilder an Mitarbeiter verschickt, noch hat er davon gewusst, dass seine Mitarbeiter ins Pornofieber geraten oder in der Arbeitszeit stundenlang auf Facebook gesurft haben. Doch just dieser Eindruck droht sich nun ins kollektive Gedächtnis einzubrennen: dass Baumann wegen der Schlamperei- und Pornovorwürfe gehen muss.
Der wahre Grund ist jedoch ein anderer: Zwischen Baumann und seinem obersten Chef, Regierungsrat Hans Hollenstein, gab es Streit um den Kurs des Migrationsamts. Hollenstein will das Amt zu einem «kundenorientierten Dienstleistungszentrum» formen und die Verfahrensabläufe «markant und dauerhaft» beschleunigen. Baumann wollte diese Erneuerung nicht mitragen, weil er deren Folgen fürchtete: das Migrationsamt als Verwaltungs- und Bewilligungsfabrik, die Aufenthaltsgesuche von Ausländern nicht mehr akribisch prüft.
Ob Hollenstein den angekündigten Kurswechsel umsetzt, ist fraglich. Zum einen, weil sich das Bundesamt für Migration gegen einen rigiden Leistungsabbau ausspricht. Zum anderen, weil Hollenstein selber mutlos ist. Gezeigt hat sich dies gestern: Zur Neuausrichtung konnte er kaum Konkretes sagen. In dieses Bild passt, dass Hollenstein seinen Amtschef erst dann in die Wüste schickte, als dieser öffentlich unter Druck geraten war. Hollenstein nutzt diesen Zeitpunkt, um sich jenes Mannes zu entledigen, der seiner rigiden Linie wegen ins Schussfeld der Linken geraten war – und damit den Sicherheitsdirektor selber politischem Dauerdruck aussetzte. Doch kaum etwas ist Hollenstein, dem Harmoniesüchtigen, mehr zuwider, als im Zentrum solcher Angriffe zu stehen. Dies umso weniger, als der CVP-Politiker im nächsten Frühling um seine Wiederwahl bangen muss.
Nicht eingeplant hat Hollenstein hingegen, dass sich die Mitarbeiter im Migrationsamt nun derart laut gegen ihn auflehnen. Das Vertrauen in ihn haben sie verloren. Hollenstein muss befürchten, dass das Wahlvolk im Frühjahr gleich reagiert. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.08.2010, 23:20 Uhr



