Nicht mit uns

Von Res Strehle. Aktualisiert am 06.10.2009 10 Kommentare
Res Strehle.

Res Strehle.

Sollen Zürich und Winterthur die Plakate der SVP zur Minarett-Verbotsinitiative zulassen oder nicht? Sie meinen vor einem Dilemma zu stehen: Meinungsäusserungsfreiheit gegen Religionsfreiheit. Die Stadt Zug gab vergangene Woche ein schlechtes Beispiel, wie man in diesem Dilemma entscheiden soll: Sie verbot der Freidenker-Vereinigung, via Plakat kundzutun, dass da möglicherweise kein Gott ist. Der Entscheid bewies einzig, dass man Angst hat, es könnte kein Gott sein, und die Vermutung schon gar nicht zulassen will.

Im Fall der Werbeplakate des SVP-dominierten Komitees gegen den Bau von Minaretten stehen die Dinge ganz anders. Würde das Komitee sagen, wir wollen keine Minarette in der Schweiz – es wäre seine Sache, und niemand sollte es daran hindern, das öffentlich kundzutun. Will man das in einer Initiative festschreiben, wird es problematischer, weil es in die Ausübung der Religionsfreiheit eingreift. Nun ist die Initiative zugelassen, und das Komitee geht einen Schritt weiter: Es macht auf übelste Art und Weise Stimmung gegen die Muslime in der Schweiz. Auf einer Schweizer Fahne ragen Minarette in Form von Interkontinentalraketen mit dunklen Schatten in die Höhe, offenkundig daran, die Schweiz und die Welt zu terrorisieren. Einer Muslimin in der Burka wird folgerichtig ein grosses Stopp angeheftet.

Das ist, mit Verlaub, Nationalismus und religiöse Intoleranz aus der untersten Schublade. Mit Meinungsfreiheit hat ein solches Plakat etwa so viel zu tun wie eine verschleierte Muslimin mit der Weltrevolution.

Städte wie Zürich oder Winterthur leben von ihrer Offenheit gegenüber den verschiedensten Religionen (auch den Atheisten) und Nationen. Plakate wie dieses haben auf öffentlichem Grund nichts zu suchen. Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden, auch die Freiheit der Andersgläubigen.

Die Angst des Zürcher Stadtrats, ein Verbot würde den Initiativbefürwortern Auftrieb geben, ist unberechtigt. Die Städte Zürich und Winterthur setzen mit einem Verbot dieser Plakate nur ein Zeichen von Weltoffenheit: Nicht mit uns. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2009, 04:00 Uhr

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10 Kommentare

Edy Gerber

06.10.2009, 08:48 Uhr
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Der Islam ist eigentlich eher eine autoritäre politische Ideologie als eine Religion. Im Gewand einer Religion kann er jedoch unter Berufung auf die Religionsfreiheit besser in die abendländische Gesellschaft eindringen. Der Streit um die Mohammed-Karikaturen in Dänemark hat gezeigt, wie intolerant diese Ideologie ist. Dem Alleingültigkeitsanspruch derselben muss Einhalt geboten werden. Antworten


Rafiq Tschannen

06.10.2009, 14:07 Uhr
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Ich wohne in Amman, Jordanien, ein zu etwa 95% muslimisches Land. Im Moment sind in Amman mindestens 5 neue und schoen grosse Kirchen im Bau. Das ist so normal, dass man darueber nicht einmal spricht. Muessen die Schweizer nun nach Jordanien kommen, um Toleranz zu lernen? Antworten



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