Obama kapert die Medien ganz gezielt
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 25.03.2009 1 Kommentar
Martin Kilian.
Gerade mal zwei Monate im Amt, turnt er als mediales Perpetuum mobile durch den US-Alltag: Auf allen Kanälen und Webseiten, im Radio wie in den Zeitungen hagelt Barack Obama auf die Amerikaner herab. Der Mann, argwöhnen Washingtons Kommentatoren, verschleisse sich. Von «overexposure» ist die Rede: Wie kein Präsident zuvor setze sich Obama der Öffentlichkeit aus, weshalb bereits ein Überdruss am telegenen ersten Mann im Staat drohe.
Tatsächlich gastierte der umtriebige Obama am Dienstagabend bei seiner zweiten offiziellen Pressekonferenz zur besten Sendezeit auf zig Kanälen, nachdem er in den Tagen zuvor bereits beim Fernseh-Talker Jay Leno sowie im TV-Magazin «60 Minutes» auf- getreten war. Ob beim Sportsender ESPN, wo er sich zur College-Basketballmeisterschaft ausliess, oder beim Magazin «People», ob als global in 31 Tageszeitungen nachgedruckter Kommentator oder per wöchentliche Radioansprache: Der Präsident ist zum steten Begleiter der Nation geworden.
Der Mann sei völlig überbelichtet, findet der Kolumnist George Will, der zu medialer Zurückhaltung mahnt und zustimmend einen Zeitgenossen des geschwätzigen britischen Literaten Thomas Babington Macaulay zitiert: Dieser zeige «gelegentlich Anzeichen von Stille, die seine Konversationen reizend machen».
Obama aber exponiert sich natürlich nicht aus narzisstischem Motiv: Seine politische Agenda steht auf dem Spiel, das kolossale Konjunkturpaket und sein gleichfalls gigantischer erster Haushalt sind Hebel, mit denen er die Vereinigten Staaten wie kein Präsident seit Franklin D. Roosevelt umkrempeln möchte.
Die öffentliche iPod-Playlist
Und indem dieser Politstar sein beträchtliches Charisma ausspielt, um direkt an die Regierten zu appellieren, eröffnet sich ihm die Chance, Druck auf den Kongress auszuüben und seine bislang unverminderte Popularität in den Dienst seiner politischen Re-formen zu stellen. Inmitten der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise hat er die Medien regelrecht gekapert, um ein Tutorium zu veranstalten und sich zugleich von seinem Vorgänger abzuheben: War George W. Bush entrückt und unsicher, so gibt Obama den netten, jedoch kompetenten Familienvater von nebenan, dessen medienvermittelte iPod-Playlist ihn als amerikanischen Durchschnittsbürger ausweist.
Dahinter versteckt sich eine Kommunikationsstrategie, die es in sich hat. Denn wie jeder Präsident seit Richard Nixon will Obama den Filter der Washingtoner Medien ausschalten und sich direkt an seine Kundschaft wenden. Nixon freilich wurde ebenso Opfer der verhassten Journaille, die ihm dank Woodward und Bernstein den Garaus machte, wie Bill Clinton, dem das Washingtoner Rudel in Sachen Lewinsky nachstellte. Anders als die Vorgänger aber verfügt Obama über eine Vielfalt medialer Optionen – und er ist gewillt, sie zu nutzen und gegebenenfalls gegen die traditionellen Medien auszuspielen, um diese zu neutralisieren.
So wurde etwa sofort vermerkt, dass der Präsident bei seiner vorgestrigen Pressekonferenz keinen Korrespondenten der grossen Zeitungen zu einer Frage aufrief. Statt der «New York Times» oder der «Washington Post» Frage und Antwort zu stehen, wandte sich der Präsident an mindere Einrichtungen wie die Armeezeitung «Stars and Stripes» oder den Latino-Fernsehsender Univision. Und neben den Starjournalisten der grossen amerikanischen TV-Sender fragten auch der Korrespondent des afroamerikanischen Lifestyle-Blatts «Ebony» und der Mann von Agence France Press.
«Es gibt viele Menschen, die nicht an den TV-Nachrichtenkanälen hängen», sagt Obamas Pressesprecher Robert Gibbs. Er erklärt die mediale Dauerpräsenz seines Bosses als kalkulierten Versuch, diverse Segmente der amerikanischen Bevölkerung über die Köpfe traditioneller politischer Medien hinweg zu erreichen. So wird Obama in Kürze ein Pressegespräch mit progressiv-liberalen Bloggern abhalten. Auch können sich hispanische Radio-Talker wohl ebenso Hoffnungen auf ein Gesichtsbad mit dem Präsidenten machen wie afroamerikanische Kolumnisten. Ob Obama damit Gefahr läuft, zur Britney Spears des amerikanischen Politbetriebs zu werden, wird sich bald zeigen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.03.2009, 21:41 Uhr




Alexej Buergin
Von "UNVERMINDERTER Popularitaet" kann keine Rede sein. Nach Rasmussen sind es noch 56% "approve" (davon 36 "strongly"). Schon 43% "disapprove" (davon 31 "strongly"). Das ist besser als Pelosi (36:53) oder Reid (29:42), aber schlechter als seine Vorgaenger zum selben Zeitpunkt. Und: Es gibt erste Anzeichen, dass der Kongress Obamas Budgetvorschlag heftig umbaut. Antworten