Risiko konsequent minimieren
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 05.01.2010
Daniel Foppa.
Die Beurteilung der Lawinengefahr ist eine besondere Herausforderung. Sogar ein international gefragter Experte wie der Schweizer Werner Munter räumte einst ein, je mehr er über Lawinen forsche, desto weniger wisse er. Immerhin kann man auf Hilfsmittel zurückgreifen, die eine vertretbare Risikoeinschätzung zulassen: auf das Bulletin des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung, auf Skitourenkarten mit rot markierten Gefahrenhängen und auf Führer des Alpen-Clubs mit genauen Routenbeschreibungen.
Man darf davon ausgehen, dass sich die im Diemtigtal verschütteten Alpinisten mithilfe solcher Informationen vorbereitet hatten. Ihre Tour war angesichts der Lawinensituation durchaus vertretbar. Tausende waren am Sonntag auf ähnlichen Routen unterwegs – und nichts passierte. Dass es dennoch zum Drama kam, ist tragisch. Ausschliessen kann man solche Unfälle jedoch auch mit der besten Vorbereitung nicht.
Anders liegt der Fall bei Wintersportlern, die für den Aufstieg die Bergbahn nutzen und danach abseits der Pisten zu Tal fahren. Viele von ihnen haben sich nicht über die Lawinensituation informiert, geschweige denn Karten konsultiert. Gutes Material und spektakuläre Freeride-Videos – wie sie im Internet und bezeichnenderweise an den Talstationen der Skigebiete zu sehen sind – verleiten zu Leichtsinn. Ist erst mal eine Spur gezogen, brettern die nächsten Touristen hinterher. Sie ignorieren, dass ein harmloser Hang aufgrund der tageszeitlichen Erwärmung zur Todesfalle werden kann – und dass sie mit ihrem Tun Wintersportler auf gesicherten Pisten in Gefahr bringen können.
Gegen solche Fremdgefährdung gehen die Bergbahnen nun juristisch vor, und das ist gut so. Noch wichtiger ist indes, die Prävention weiter zu verstärken. iPhone-Applikationen, mit denen Lawineninfos im Gelände abgerufen werden können, Freeride-Checkpoints im Skigebiet und besondere Kurse für Jugendliche zeigen, dass Lawinenausbildung nicht nur altbackene Tourengeher angeht. Vielmehr sollte sie auch für Variantenfahrer selbstverständlich sein. So wie es unterdessen der Helm für die Mehrzahl der Pistenfahrer ist. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.01.2010, 04:00 Uhr



