Meinung

Rückschritt als Fortschritt

Von René Lenzin. Aktualisiert am 26.09.2009
René Lenzin

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Die SBB und Trenitalia drehen das Rad der Zeit zurück: Ab Mitte Dezember führen sie die internationalen Züge wieder unter eigenem Namen bis an die Grenzbahnhöfe von Chiasso und Domodossola. Die Marke Cisalpino – seit 1993 für den grenzüberschreitenden Verkehr zuständig – hat ausgedient.

Die beiden Bahngesellschaften ziehen damit die Konsequenz aus einem Experiment, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Als gemeinsame Betriebsgesellschaft ohne eigenes Zugpersonal konnte Cisalpino nicht besser sein, als es die beiden Mutterhäuser zuliessen. Nun haben diese endlich eingesehen, dass geteilte Verantwortung zwischen zwei derart unterschiedlichen Betriebskulturen nicht funktionieren kann.

Mit dem neu-alten Modell werden die Dienstleistungen für die Kunden nicht zwangsläufig besser. Aber die Verantwortung lässt sich klar zuordnen. Nicht die abstrakte Cisalpino wird künftig schuld sein, wenn ein Zug Verspätung hat oder gar ausfällt, sondern die SBB oder Trenitalia. Allein schon das dürfte die beiden Bahngesellschaften motivieren, mehr in den Unterhalt der pannenanfälligen Neigezüge zu investieren und wirksamere Mittel gegen Verspätungen zu suchen.

Hoffen können sie ausserdem darauf, dass die neuen Neigezüge auf Mitte Dezember endlich in Betrieb gehen. Das würde ihnen jenen Neustart ermöglichen, der mit der total ramponierten Marke Cisalpino nicht mehr möglich erschien. Dann würde der am Freitag beschlossene Rückschritt definitiv zum Fortschritt.

Von einer aus Kundensicht idealen Lösung sind die beiden Bahnen aber noch weit entfernt. Nur der freie Zugang der Bahngesellschaften auf die Netze der Nachbarländer würde jene Leistungen aus einem Guss ermöglichen, die mit der Cisalpino eigentlich angestrebt wurden. Theoretisch hat die EU diese Liberalisierung beschlossen. In der Praxis dürfte es allerdings noch etliche Jahre dauern, bis die im nationalen Denken verhafteten Bahnbetreiber ihre Netze auch tatsächlich öffnen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.09.2009, 04:00 Uhr

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