Meinung

Stadtrat ausser Haus

Von Edgar Schuler. Aktualisiert am 27.04.2010 1 Kommentar

Edgar Schuler.

Nein, das Leben in Zürich stoppt nicht plötzlich, wenn fast alle Stadtmütter und -väter ausgeflogen sind, eine Weltausstellung besuchen, die Ferien geniessen oder ihr Amt noch gar nicht angetreten haben. Die Limmat wird weiter fliessen, die Trams werden fahren und die Züri-Säcke abgeholt werden.

Auch Stadträte haben Anrecht auf eine Auszeit, und niemand verlangt Aufopferung bis zur totalen Erschöpfung. Täglich von Termin zu Termin zu hetzen, um überall selber dabei zu sein und alles persönlich im Griff zu haben, ist das Gegenteil von gutem Regieren.

Wenn aber in den nächsten Tagen der freisinnige Andres Türler, Mitglied der geschrumpften bürgerlichen Minderheit im Stadtrat, in Zürich einsam die Stellung hält, zeugt das entweder von mangelnder Koordination im Stadtrat. Oder von mangelndem Interesse seiner Mitglieder, für die Stadt und ihre Bewohner da zu sein.

Anders als beim Regierungsrat und beim Winterthurer Stadtrat, die nur je sieben Mitglieder zählen, verteilt sich die Last des Regierens und Repräsentierens im Zürcher Stadtrat auf neun Schultern. Da sollte es doch machbar sein, die Ferienpläne so abzustimmen, dass zwei, drei Stadtratsmitglieder am bevorstehenden «heissen» 1.-Mai-Wochenende präsent sind.

Hier fehlt es doch wohl eher am Interesse. Kein Vorwurf fällt dabei auf die drei zurücktretenden Mitglieder, die von Gesetzes wegen nicht mehr weiterregieren dürfen. Aber für den Interessemangel symptomatisch ist, dass SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch am 1. Mai zwar in Zürich sein will, aber was sie an diesem höchsten linken Feiertag macht, für ihre Privatsache hält.

Symptomatisch ist auch, dass es keines der drei neu gewählten Stadtratsmitglieder für nötig hält, vor Mitte Mai sein Amt anzutreten. Die gemächliche Abwicklung der bisherigen Beschäftigung und Ferien sind offenbar wichtiger, als die Geschäfte zu übernehmen, für die sie das Volk gewählt hat.

Ob fehlende Koordination der Terminkalender oder fehlendes Interesse an den Geschicken der Stadt – beide Interpretationen der grossen Absenz sind für den Stadtrat ein Armutszeugnis. ()

Erstellt: 26.04.2010, 23:56 Uhr

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1 Kommentar

Jens Gloor

29.04.2010, 07:40 Uhr
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Wieso wundert mich hier nichts? Einmal mehr zeigt Frau Mauch, wieviel ihr an der Bevölkerung liegt, mit welcher sie ihr heiliges Privatleben nicht teilen mag. Und: Man muss alles aus der Zeitung erfahren - umsichtige, vorausschauende Planung war noch nie ein Merkmal des Zürcher Stadtrats. Und Mauch hält sich wie seit Amtsantritt lieber vom Volk fern. Auch das würde ich als elitär bezeichnen. Antworten