Meinung

Unbedeckt, aber engstirnig

Von Res Strehle. Aktualisiert am 06.08.2010 19 Kommentare

Res Strehle.

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Die Empfehlung des St. Galler Erziehungsrats an die Gemeinden, ein Kopfbedeckungsverbot für Schülerinnen und Schüler zu erlassen, eröffnet ein neues Geplänkel auf einem Nebenschauplatz. Nach den Fragen, ob Moscheen in der Schweiz Türmchen haben dürfen und ob ein paar Dutzend orthodoxer Islamistinnen hier auch ihr Gesicht verschleiern dürfen, wird künftig zu diskutieren sein, ob Schülerinnen während des Unterrichts ihren Kopf bedeckt haben dürfen oder nicht. Womöglich bis vor Gericht.

Dabei verwechseln die Befürworter den Anspruch auf Integration mit dem Zwang zur Anpassung. Integration darf von allen Angehörigen anderer Kulturen in jedem Land gefordert werden. Dazu gehören der obligatorische Sprachunterricht, obligatorisches Schulturnen und Schwimmen (wenn es der Glaube verlangt, notfalls im Ganzkörperkostüm) sowie die Anerkennung grundlegender Werte vernünftigen Zusammenlebens wie Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und Toleranz. Alle weiteren Vorschriften entspringen dem rigiden Wunsch nach Anpassung. Dahinter steckt der alte Traum von der Leitkultur, der in unsicheren Zeiten wie diesen neu geträumt wird: Wer hier lebt, soll leben wie wir.

Dass nun St. Gallen mit einem neuen Verbot vorangeht, mag Zufall sein. Wahrscheinlicher ist, dass sich im St. Galler Erziehungsrat die Sehnsüchte einer unheiligen Allianz getroffen haben: Patrioten, die der alten helvetischen Monokultur nachtrauern, Katholiken mit wenig Verständnis für den Heilsanspruch eines anderen Glaubens und Gutmeinende, die sich vom Verschleierungsverbot einen Emanzipationsschub islamischer Frauen erhoffen.

Dabei verschleiert die Begründung, das empfohlene Verbot fördere an den Schulen Transparenz, weltanschauliche Neutralität und Nichtdiskriminierung, die wahre Absicht: Das Verbot wird in erster Linie orthodoxe muslimische und jüdische Schüler treffen, womöglich noch ein paar Freizeitsprayer und Hip-Hopper, alle andern nicht. Es ist damit in hohem Grade diskriminierend, weltanschaulich parteiisch und transparent nur bezüglich der Geisteshaltung ihrer Urheber. Auch unter einem unbedeckten Haupt kann engstirnig gedacht werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.08.2010, 22:24 Uhr

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19 Kommentare

Mats Kummer

06.08.2010, 10:52 Uhr
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Nun ja, es wird ja keiner gezwungen in der Schweiz zu wohnen und zu leben. Und übrigens Herr "Gutmensch" Strehle - in den Ländern wo das Kopftuch zum Alltag gehört sind ihre Sozialromantikerworte wie Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und Toleranz Fremdwörter... Antworten


Hans Müler

06.08.2010, 06:23 Uhr
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Lesen Sie den rapport Obin und den rapport Stasi der französischen Regierung. Sofern Sie französisch lesen. Dann werden Sie auf einen anderen Schluss kommen. Das Kopftuch führt zu Druck auf diejenigen, die ihn noch nicht tragen. Wollen Sie das? Antworten