Unbehagen gegenüber dem Islam
So wie die Christen Türme zu ihren Kirchen und die Juden Kuppeln für ihre Synagogen bauen, sollen auch die Muslime Minarette neben ihren Moscheen errichten dürfen. Dies ist ein Gebot der Religionsfreiheit, die es unbedingt zu verteidigen gilt.
Obwohl die Ausgangslage klar ist, lässt sich die Initiative gegen die Minarette nicht so schnell abhaken. Die Initianten versuchen, die Abstimmung zu einem Plebiszit über den Islam in der Schweiz zu machen. Hier stossen sie auf ein verbreitetes Unbehagen. Gerade unter den Schweizer Frauen ist die Ablehnung der patriarchalen Strukturen in der muslimischen Gesellschaft gross. Sie sprechen sich gegen die Unterdrückung der Frauen aus, gegen Zwangsheiraten und gegen das Tragen der Burka, die als Symbol für die Unterwerfung der Frau verstanden wird. Auch wenn der Terror der Islamisten die Schweiz bis jetzt nicht erreicht hat, wirft er doch seinen Schatten. Breite Bevölkerungskreise verlangen, dass sich die Muslime den Schweizer Verhältnissen anpassen.
Das Unbehagen ist auch unter den Parteigängern der SP, bei den Grünen, aber auch bei FDP und CVP zu spüren. Keine dieser Parteien wird einen grossen Aufwand im Kampf gegen die hauptsächlich von SVP-Vertretern lancierte Initiative treiben.
Eigentlich müssten sich die Muslime jetzt selber zur Wehr setzen und versuchen, die Ängste in der Bevölkerung zu entkräften. Die Religionsgemeinschaft ist jedoch sehr disparat. Die Mehrzahl der Muslime ist wie die Mehrzahl der Christen nicht streng praktizierend. Viele moderate Muslime identifizieren sich nicht über ihre Moschee. Diejenigen, die öffentlich auftreten, sprechen nicht für eine Mehrheit, sondern vertreten einzelne ethische oder religiöse Gruppen.
So kommt es, dass sich bis jetzt die Kirchen am lautesten zu Wort gemeldet haben. Die Kirchen, die sich früher den Kampf gegen die Muselmanen auf die Banner geschrieben hatten, haben sich geöffnet und plädieren heute für eine differenzierte Sicht der Dinge. Weil sie wissen, wovon sie sprechen, stehen sie an vorderster Front für die Religionsfreiheit ein.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.10.2009, 04:00 Uhr



