Verbieten ist zwecklos

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 19.03.2010 4 Kommentare
Maurice Thiriet.

Maurice Thiriet.

Sie haben es gut gemeint.

Sie sahen den Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt mit 18 Toten. Sie sahen den Amoklauf an der Virginia Tech in Blacksburg mit 32 Toten. Und sie sahen den Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden mit 15 Toten. Und sie sahen: Jeder der Täter hatte Ego-Shooter-Games gespielt.

Also sahen sich die Politikerinnen und Politiker in der Schweiz gezwungen, etwas zu unternehmen und die Jugend vor den Gewaltdarstellungen in den Videospielen zu schützen.

So beschloss gestern nach dem National- auch der Ständerat ein Verbot von besonders brutalen Gewaltspielen. Welche Spiele als «besonders brutal» gelten und somit auf den Index kommen sollen, ist noch weitgehend unklar. Das wird sich in einem langen, noch zu schaffenden und teuren bürokratischen Prozess erweisen müssen. Und zwar immer wieder, weil immer wieder neue Spiele in Umlauf kommen.

Dieses aufwendige Verfahren könnte man sich sparen.

Denn das Parlament hat ein Verbot erlassen, das nicht umsetzbar ist. Wer die Altersbeschränkung umgehen will, lädt sein Spiel illegal herunter. Und die meisten Ego-Shooter-Fans treffen sich auf anonymen und selbst für die langen Arme des Gesetzes ungreifbaren Internetplattformen, um mit Gleichgesinnten Spielfiguren zu massakrieren.

Man mag von solch sozialer Interaktion halten, was man will. Aber ein Verbot ist nicht nur sinnlos, sondern auch kontraproduktiv. Es hilft dem labilen Jugendlichen nicht, der mit den konsumierten Gewaltdarstellungen nicht umzugehen weiss. Und es hilft seinen Eltern und anderen Bezugspersonen nicht, vor denen er das Geächtete fortan versteckt halten muss.

Statt die nötige Diskussion zu führen rund um die Risiken und Gefahren, die Killerspiele für einige durchaus darstellen können, drängt man eine ganze Freizeitkultur in die Illegalität ab. Und statt die Kinder und Jugendlichen im Umgang mit Gewaltdarstellungen zu schulen, sagen die Politiker: Ist verboten. Basta.

Aber das verhindert den nächsten Amoklauf nicht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2010, 09:40 Uhr

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4 Kommentare

Alain Jollat

19.03.2010, 09:58 Uhr
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Der Täter des School-Shootings der Virginia Tech hatte keinerlei GBGs (Gewalt beinhaltende Games) gespielt. Diese Information geistert(e) leider fälschlicherweise durch die Medien und zeigt, wie vorschnell Games beschuldigt werden, damit man einen Schuldigen hat. Ansonsten stimme ich mit Ihrem Kommentar überein: Die Förderung der Medienkompetenz bringt uns weiter als jedes Verbot. Antworten


Sascha Böhme

19.03.2010, 12:39 Uhr
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Wie wahr. Traurig was sich da gestern abgespielt hat. Ich bin 37, Vater eines 5-jährigen Sohnes und spiele "Killerspiele" seit ich denken kann. Videospiele gehören seit meinem 8. Lebenjahr einfach zu mir. Ab sofort bin ich wohl ein Krimineller (und potentieller Amokläufer) und muss mich meines Hobbys schämen... Antworten



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