Wie gut sind unsere Medien?

Die Besorgnis über den Zustand der Schweizer Medien ist verständlich, aber – vorderhand – unbegründet.

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Die Besorgnis der Forscher um den Zürcher Professor Kurt Imhof über den Zustand der Schweizer Medien ist verständlich, aber – vorderhand – unbegründet. Verständlich, weil es international schon ganze Regionen und grössere Städte gibt, die keine eigene Zeitung mehr haben. Weil die Medien die Schwächen der Gesellschaft teilen: Sie neigen zur Hysterie, spielen Gefahren hoch, die womöglich keine sind, und unterschätzen andere, wie dies bei der Finanzkrise geschehen ist. Sie personalisieren Sachfragen, statt sie inhaltlich auszuleuchten, sie tratschen, statt den Fakten nachzugehen. Und sie stehen wie andere Branchen unter Druck, Kosten zu senken.

Und doch ist die Sorge der Forschergruppe, was die Schweiz betrifft, zumindest im Augenblick unbegründet. Ihr Begriff von Qualität und Vielfalt ist zu eng. Was früher besser schien, war einfach anders: Der verlorenen Vielfalt von belehrender Parteipresse muss niemand nachtrauern. Der aufgeweichten Trennung von Information und Unterhaltung ebenso wenig; auch Bildung und Information sollen Spass machen dürfen. Und Auslandberichterstattung ist nicht per se qualitativ höherwertig als regionale Berichterstattung.

Die Schweiz hat auf kleinem Raum zwei, drei hochwertige sprachnationale Qualitätstitel und Onlineportale, die den Vergleich mit der internationalen Konkurrenz nicht zu scheuen brauchen. Dazu eine hohe Vielfalt von Medien aller Art: Regionaltitel in nach wie vor grosser Zahl, Pendlerzeitungen mit hoher Beliebtheit, eine Boulevardpresse, die selten zum Zweihänder greift, und Radio/Fernsehen, das den Vergleich mit dem Ausland ebenfalls bestens besteht.

Natürlich droht den Qualitätstiteln Gefahr, wenn ihre Leserschaft und Anzeigenerträge weiter zurückgehen sollten. Derzeit scheint sich ihre Nutzung aber eher zu verlagern, das Interesse an vertiefender Information scheint ungebrochen. Gelingt es diesen Titeln, ihr Angebot via die neuen Technologien nicht nur zu verschenken, sondern auch zu verkaufen, so braucht man sich um ihre Zukunft keine Sorge zu machen. Das mahnende Jahrbuch soll ihnen Ansporn sein, die Befürchtungen der Forscher in der täglichen Arbeit zu widerlegen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 13.08.2010, 22:34 Uhr)

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