Obamas Team: Klassentreffen der amerikanischen Elite

Von Philipp Löpfe . Aktualisiert am 24.11.2008
Barack Obama hat für sein Wirtschaftsteam eine einfache Formel gefunden: Nicht das Parteibuch zählt. Nur die Besten sind gut genug.
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Robert Rubin gilt als der erfolgreichste amerikanische Finanzminister seit dem Gründervater Alexander Hamilton. Er war die treibende Kraft der Wirtschaftspolitik der Clinton-Regierung, die den Amerikanern den längsten Boom der Geschichte beschert hat. Der inzwischen Siebzigjährige hat keine Lust mehr, selbst nach Washington zurückzukehren. Trotzdem wird er im Weissen Haus bald omnipräsent sein. Alle Schlüsselstellen werden von seinen Protegés besetzt sein: Finanzminister wird Timothy Geithner, ökonomischer Berater Lawrence Summers und Budgetdirektor Peter Orszag.

Eigentlich müsste ein wütendes Aufheulen durch die Politszene gehen und die Verfilzung dieses Teams an den Pranger gestellt werden. Das Gegenteil ist der Fall, rundum herrscht Begeisterung. Die Ernennung von Geithner hat den Dow-Jones-Index um 5 Prozent in die Höhe schnellen lassen und ihm bereits den Übernamen «Mister 500 Punkte» eingetragen. Der Präsident der Federal Reserve Bank von New York wird an der Wallstreet äusserst respektiert.

Selbst Gegner sagen: Superb

Selbst die politischen Gegner von Obama zollen seiner Personalpolitik Anerkennung. Der konservative Kolumnist David Brooks schreibt in der «New York Times»: «Glauben Sie mir, ich will nicht auf den Zug der O-Phorie und die Begeisterung des Bildungsbürgertums aufspringen. Aber seine personalpolitischen Entscheidungen sind superb.» Larry Summers gilt zwar als äusserst arrogant. Seine Kritiker behaupten, er würde selbst Albert Einstein von oben herab behandeln. Doch er gilt auch als genauso intelligent. Die anderen Rubin-Jünger indes sind wie ihr Vorbild und der neue Präsident: Cool, höflich und pragmatisch.

Obamas mögliches Kabinett
Vizepräsident Joe Biden
Aussenministerin Hillary Clinton
Verteidigungsminister Robert Gates
Justizminister Eric Holder
Gesundheitsminister Tom Daschle
Finanzminister Timothy Geithner
Stabschef Rahm Emanuel
Budgetdirektor Peter Orszag
Handelsminister Bill Richardson
Oberster Wirtschaftsrat Lawrence Summers
Innenminister offen
Arbeitsminister offen
Landwirtschaftsminister offen
Erziehungsminister offen
Energieminister offen
Transportminister offen
Heimatschutzminister offen
Veteranenminister offen
Städtebauminister offen
US-Handelsbeauftragte offen
Leiter Umweltschutzbehörde offen
Leiter Drogenpolitik offen

Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass es zu einer Wiederholung der Rubinomics kommen wird. Darunter versteht man den Mix von ausgeglichenem Staatsbudget, Freihandel und Deregulierung der Finanzmärkte. Die zweite Rubin-Generation wird eine ganz andere Wirtschaftspolitik verfolgen: In den ersten zwei Jahren wird die Wirtschaft ohne Rücksicht auf Schulden angekurbelt werden. Die verlotterte Infrastruktur soll saniert, die Bildung vorangetrieben und grüne Industrien mit Staatshilfe zum Blühen gebracht werden. 2,5 Millionen neue Jobs sollen entstehen. Das hören die Linken und die Gewerkschaften sehr gerne.

Harvard, Princeton oder Yale

Nicht nur im Wirtschaftsteam setzt Präsident Obama auf die Besten und die Klügsten. Die Liste der bisherigen Ernennungen liest sich wie eine Einladung eines Klassentreffens der US-Elite-Universitäten. Abschlüsse und akademische Auszeichnungen von Harvard, Yale und Princeton sind die Regel. Das erinnert stark an John F. Kennedy. Auch er hat seinerzeit auf die Karte «die Besten und Klügsten» gesetzt. Mit gemischtem Erfolg: Sein «all star team» hat die USA geradewegs in den Schlamassel des Vietnam-Krieges geführt.

Es ist wenig wahrscheinlich, dass Obama ein ähnliches Schicksal widerfahren wird. Seine Elitemannschaft unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt vom Team Kennedy: Die Mitglieder sind nicht nur klug, sondern auch erfahren. Viele von ihnen haben schon in der Clinton-Regierung gearbeitet und aus ihren Fehlern gelernt. Vor allem natürlich Hillary, die wahrscheinlich neue Aussenministerin. Sie sind auch nüchterne Pragmatiker wie beispielsweise Robert Gates, der amtierende Verteidigungsminister, der wahrscheinlich noch ein paar Jahre anhängen wird.

Vor einer stillen Revolution

Zwei Kriege, eine schwere Rezession und ein kollabierendes Finanzsystem: Seit dem Zweiten Weltkrieg musste kein Präsident sein Amt unter so schwierigen Vorzeichen antreten wie Obama. Dass er ohne ideologische Scheuklappen auf die Besten und Klügsten setzt, ist deshalb richtig. Geht seine Rechnung auf, dann stehen wir vor politisch spannenden Zeiten. In den USA könnte sich eine stille Revolution abspielen, die das Land grundsätzlich verändern wird.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 24.11.2008, 14:41 Uhr

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