Eines der wenigen Bilder eines Attentäters von Mumbai. Es häufen sich die Hinweise, dass mindestens ein Teil der Terroristen aus Pakistan stammt. Bild: Fotograf/Keystone
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«Man könnte ihn als einen gebildeten jungen Mann bezeichnen», beschreibt ein Polizeisprecher laut Spiegel Online den verhafteten Terroristen. Kasav soll aus der pakistanischen Ortschaft Faridkot stammen und fliessend Englisch sprechen.
Sein Bild ging um die Welt. In einer grauen Safari-Hose und schwarzem Sweatshirt wütete er im Chatrapathi Sivaji Terminal. Anschliessend soll er zusammen mit einem zweiten Angreifer in einem gestohlenen Auto in die Innenstadt gefahren sein. Ein Polizeiteam konnte die beiden aber durch einen Kugelhagel stoppen.
Tot gestellt oder bewusstlos
Ob sich Azam Amir Kasav anschliessend tot stellte oder bewusstlos war, ist ungeklärt. Die Ordnungskräfte dachten zuerst, er sei tot und wollten ihn in die Leichenhalle abtransportieren. Doch da bemerkte jemand rechtzeitig, dass der Mann noch atmete. Der zweite Terrorist war im Kugelhagel umgekommen.
Mittlerweile konnte Kasav befragt werden. Laut Polizei gab er «wertvolle Hinweise». So sei der Chefplaner der Anschläge bereits vor einem Monat von Pakistan nach Mumbai gereist und habe die Orte für die Anschläge rekognosziert. Am vergangenen Mittwochabend habe er dann die jungen Angreifer instruiert. Und Gewehre, Munition, Handgranaten und Verpflegung verteilt. Wer dieses Hirn der Anschläge ist, wurde nicht bekannt gegeben.
Verlassenes Fischerboot mit einer Leiche
Auf jeden Fall sehen sich die Ermittler durch Kasavs Aussagen bestätigt, dass die Angreifer aus Pakistan stammen. Spiegel Online zitiert einen Polizeisprecher: «Kasav hat ausgesagt, dass eine Gruppe von Kämpfern per Boot von der südpakistanischen Hafenmetropole Karatschi nach Mumbai gekommen sei.»
In einem verlassenen Fischerboot vor der Küste von Mumbai entdeckte die indische Marine eine Leiche. Marinesprecher Manohar Nambiar erklärte am Samstag, es werde untersucht, ob das Boot tatsächlich zur Vorbereitung der Terroranschläge benutzt wurde.
Die «Times of India» berichtet zudem, dass sich mehrere Terroristen bereits vor Monaten in Mumbai aufgehalten haben und die Hotels als Studenten getarnt erkundschafteten.
Nur zehn Angreifer?
Über die Gesamtzahl der Terroristen wird zudem weiter spekuliert. Der Regierungschef des Staates Maharashtra, Vilasrao Deshmukh, sprach am Samstag von lediglich zehn Angreifern.
«Neun wurden getötet und einer wurde festgenommen», sagte Deshmukh. Die Attentäter hätten über eine technisch ausgereifte Ausrüstung verfügt und GPS, Handys und Satellitentelefone zur Kommunikation benutzt. «Sie standen ständig in Kontakt mit einem anderen Land», sagte Patil.
Verschiedene indische Regierungsvertreter, darunter Aussenminister Pranab Mukherjee, hatten bereits früher den Verdacht geäussert, dass Extremisten aus Pakistan für die Anschläge verantwortlich sind. Die Regierung in Islamabad dementiert dies. Zugleich hat Pakistan seine Kooperation bei den Ermittlungen zugesichert. Die Ankündigung, den Geheimdienstchef nach Indien zu entsenden, wurde am Samstag aber zurückgezogen.
Hilfe aus den USA
Aus den USA machten sich Experten der Bundespolizei FBI auf den Weg nach Indien. Unter den Todesopfern sind sechs Amerikaner. US-Präsident George W. Bush erörterte die Lage in einer Videoschaltung mit amerikanischen Regierungsvertretern in der Region.
(sam)