Westerwelle lässt sich trotz hartem Gegenwind nicht unterkriegen: Wer gegen ihn schiesst, bekommt in der Regel eine gehörige Portion zurück. Bild: Reuters
Wie gut kennen Sie Guido Westerwelle?
Traditionell sind die Beziehungen der FDP Schweiz zur deutschen FDP sehr eng. Er war schon oft auf Einladung unserer Partei in der Schweiz. Ich habe ihn letzten Herbst beim Staatsbesuch in der Schweiz getroffen. Natürlich habe ich mich gefreut, dass er eine seiner ersten Auslandreisen nach Bern in Angriff nahm. Das war wohltuend, vor allem nach der Ära mit Peer Steinbrück in der deutschen Regierung und den ständigen Angriffen.
Westerwelle kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus, macht er etwas falsch?
Das Thema mit den Auslandbesuchen Westerwelles und seiner Begleiter wird medial hochgekocht. Die Opposition lässt nichts unversucht, ihn anzugreifen und nützt jedes Thema aus. In der Schweiz ist es ja auch normal, dass die Wirtschaftsministerin eine Delegation von Wirtschaftsleuten auf Auslandreisen mitnimmt.
Will man Westerwelle abschiessen?
Natürlich hat sich die Opposition auf ihn eingeschossen. Mit seiner Kritik am Sozialstaat Deutschland hat er den Finger auf wunde Punkte gelegt, was ihn bei der linken Opposition zur Zielscheibe ihrer Kritik macht. Aber es ist nicht Westerwelles Aufgabe, den «good guy» zu spielen. Als Aussenminister hat er die Interessen Deutschlands zu vertreten und als FDP-ler die liberalen Werte zu verteidigen.
Werden ihm die früher schillernden Auftritte zum Verhängnis?
Guidomobil - das war einmal. So hat man Guido Westerwelle zwar kennengelernt, auch über die Landesgrenzen hinweg. Inzwischen macht er sehr seriöse Arbeit.
Glauben Sie, Deutschland ist nicht bereit für einen homosexuellen Aussenminister, der seinen Lebenspartner mit auf Auslandreisen nimmt?
Nein, diesen Eindruck teile ich nicht. Sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland haben wir im Umgang mit Homosexualität in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Aber natürlich bietet diese Tatsache wertkonservativen Kreisen noch immer eine Angriffsfläche.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )