Glühende SS-Verehrer im Einsatz in Afghanistan

Aktualisiert am 12.11.2009
Tschechische Soldaten der Nato-Truppen haben sich im Einsatz mit berüchtigten Nazi-Symbolen «verziert». Nun drohen ihnen harte Strafen – und auch ihrem Vorgesetzten.
Vorbilder aus der SS: Aufnahme tschechischer Soldaten in der Zeitung «Mlada Fronta Dnes». Bild: WireImage Foto: Mlada Fronta Dnes

Während des Einsatzes in der Provinz Logar im Osten von Afghanistan sollen zwei Soldaten ihre Helme mit Symbolen von SS-Divisionen bemalt haben. Das berichtet die grosse tschechische Zeitung «Mlada Fronta Dnes». Inzwischen sorgt die Enthüllung für Empörung weit über Prag hinaus.

Sergeant Hynek Matonoha soll auf seinem Helm den Buchstaben H, auf dem ein Schwert liegt getragen haben – das Truppenkennzeichen der SS-Panzerdivision «Hohenstaufen». Diese Einheit wurde vom Nazi-Regime im Zweiten Weltkrieg unter anderem bei der Invasion der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 eingesetzt.

Noch geschmackloser «verzierte» Leutnant Jan Cermak seinen Helm. Das aufgezeichnete Symbol steht für die SS-Brigade «Dirlewanger» – benannt nach Oskar Dirlewanger, einem Offizier der Waffen-SS, der für seine Brutalität berüchtigt war. Neben der «Sturmbrigade Dirlewanger» befehligte er auch ein «Sonderkommando», das zur Überwachung jüdischer Arbeitslager eingesetzt wurde. Laut Zeugenaussagen peitschten seine Mitglieder Menschen zu Tode, injizierten ihnen Strychnin oder mordeten auf andere Arten. Zudem waren sie für Gruppenvergewaltigungen und Plünderungen bekannt.

Regierung kündigte harte Strafen an

Der tschechische Verteidigungsminister Martin Bartak reagierte auf die Enthüllungen mit Zorn. «Es gibt für Menschen, die so denken, keinen Platz in der Armee», sagte er und suspendierte die beiden Offiziere mit sofortiger Wirkung. Ihr Kommandeur wurde ebenfalls aus dem Dienst entfernt, weil er laut den Berichten von den Nazi-Symbolen wusste – und versucht haben soll, das Fehlverhalten zu vertuschen.

Für den Fall, dass sich dieser Verdacht bewahrheiten sollte, hat der Verteidigungsminister bereits «harte Strafen» angekündigt. Erstens, um den Ruf der rund 330 tschechischen Soldaten zu schützen, die für die internationale Isaf-Truppe der Nato im Einsatz sind. Und Zweitens, um einen offensichtlichen Irrtum wieder rückgängig zu machen: Für ihren Einsatz in Afghanistan waren die beiden Soldaten laut den Zeitungsberichten erst kürzlich ausgezeichnet worden.

(raa)

Erstellt: 12.11.2009, 12:11 Uhr

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