Scientology darf in Frankreich weitermachen

Aktualisiert am 27.10.2009
Die Sekte wird in Frankreich nicht verboten. Allerdings muss sie wegen Betrugs eine Busse zahlen. Vier Mitglieder wurden zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt.
Angeklagter Scientology-Gründer in Frankreich: Alain Rosenberg. Bild: Reuters

Die «Eglise de Scientologie-Celebrity Center» muss 400'000 Euro zahlen, die Scientology-Bibliothek SEL 200'000 Euro. Ausserdem wurden vier angeklagte Führungsmitglieder zu Bewährungsstrafen von zehn Monaten bis zwei Jahren verurteilt. Gegen zwei weitere Angeklagte wurden Geldstrafen von 1000 und 2000 Euro verhängt.

In dem Verfahren ging es um «Betrug in einer organisierten Bande». Der Staatsanwalt hatte am 15. Juni die Auflösung beider Organisationen sowie Geldstrafen von zwei Millionen Euro verlangt. Das Gericht verzichtete am Dienstag jedoch auf ein Verbot und erklärte, damit würde das Risiko entstehen, dass Scientology seine Aktivitäten «ausserhalb jedes gesetzlichen Rahmens» fortsetze.

«Reihe betrügerischer Manöver»

Die Scientology-Organisation steht in Frankreich seit Ende Mai wegen «organisierten gemeinschaftlichen Betruges» vor Gericht, nachdem vier ehemalige Mitglieder sie angezeigt hatten. Die Staatsanwaltschaft hatte im Frühling die Auflösung der umstrittenen Organisation gefordert. Die Gesellschaft habe mit «einer ganzen Reihe betrügerischer Manöver» neue Mitglieder angeworben und finanziell ausgenommen, erklärte die Anklagebehörde damals in Paris.

Deshalb müssten die Organisation und ihre Buchhandlung jeweils zwei Millionen Euro Strafe zahlen, forderte die Staatsanwaltschaft. Für den Gründer von Scientology in Frankreich, Alain Rosenberg, verlangte die Behörde vier Jahre Gefängnis auf Bewährung sowie eine Geldstrafe in Höhe von 150'000 Euro.

«Ketzerprozess»

«Das ganze Verfahren war schon von Beginn weg ein Ketzerprozess und eine moderne Inquisition. Das Urteil wird weitergezogen, wenn nötig bis zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Die Geschichte hat gezeigt, dass derartige Urteile zuletzt doch für Scientology ausgehen", kommentiert der Schweizer Scientology-Sprecher Jürg Stettler .»

(cpm)

Erstellt: 27.10.2009, 10:58 Uhr

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