Neue Töne aus Teheran: Präsident Mahmud Ahmadinejad. Bild: KEYSTONE/AP
Sein Land habe keine Probleme damit, das schwach angereicherte Uran in den Westen zu schicken und es einige Monate später auf 20 Prozent angereichert wieder zurückzubekommen, sagte Ahmadinejad in einem Interview mit dem staatlichen iranischen Fernsehen. Wie weit die Konzessionen des Irans tatsächlich gehen, ist vorerst noch unklar. Die USA reagierten zurückhaltend.
Die Ankündigung aus Teheran wäre eine wichtige Änderung in der Haltung des Irans im Atomstreit. Vor allem der Westen fordert, dass der Iran auf eine eigene Urananreicherung verzichtet. Das eigentliche Ziel des iranischen Atomprogramms könne der Besitz einer Atomwaffe sein, heisst es. Der Iran hat diese Vorwürfe stets zurückgewiesen und die friedliche Natur seines Atomprogramms betont.
Vieles ist noch unklar
Über die genaue Art und den Umfang der iranischen Zugeständnisse herrschte zunächst Unklarheit. So ist der von Ahmadinejad genannte Zeitraum von vier bis fünf Monaten relativ kurz bemessen. Der westliche Vorschlag sah vor, das angereicherte Uran nach etwa einem Jahr in Form von Brennstäben zurückzuschicken, die zwar in Kraftwerken, aber nicht für Atombomben genutzt werden könnten. Auch sagte Ahmadinejad nichts dazu, ob der Iran sein gesamtes angereichertes Uran auf einmal ausser Landes bringen will, so wie dies international gefordert wurde.
Das Weisse Haus reagierte zurückhaltend. Die USA hätten dem Iran in der Atomfrage ein faires und ausgewogenes Angebot gemacht, erklärte Sprecher Mike Hammer. «Wenn die Äusserungen von Herrn Ahmadinejad eine aktualisierte iranische Position zum Ausdruck bringen, erwarten wir, dass der Iran die (internationale Atomenergiebehörde) IAEA informiert», sagte der Sprecher weiter. Die Aussenministerien von Deutschland, Frankreich und Grossbritannien wollten zunächst keine Stellung zu der Entwicklung in Teheran nehmen.
Gefangenenaustausch vorgeschlagen
Ahmadinejad schlug den USA ausserdem einen Häftlingsaustausch vor. Im Austausch gegen drei im Iran inhaftierte US-Wanderer sollten in den USA Iraner freigelassen werden, die dort im Gefängnis sässen, sagte Ahmadinejad am Dienstag im iranischen Fernsehen. Dazu liefen schon entsprechende Gespräche. Die drei US-Amerikaner Shane Bauer, Sarah Shourd und Josh Fattal waren nach Angaben ihrer Familien im Juli im Norden des Iraks in den kurdischen Bergen unterwegs, als sie versehentlich auf iranisches Gebiet gerieten und dort festgenommen wurden. Die iranischen Behörden hatten erklärt, sie wollten die drei wegen Spionage vor Gericht stellen.
Die US-Regierung reagierte verhalten positiv. Sollten Ahmadinejads Äusserungen signalisieren, dass der Iran zur Lösung dieser Fälle bereit seien, «würden wir diesen Schritt begrüssen», sagte Hammer. «Wir sind bislang aber noch in keine Diskussion mit dem Iran über einen Austausch getreten.»
(bru/ddp)