Rückschritt Moussavis
Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi rief seine Anhänger am Sonntagabend zur Fortsetzung der Proteste auf. In einer auf Internet verbreiteten Erklärung rief er sie aber zur Zurückhaltung auf angesichts des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte. Moussavi soll auch gesagt haben, seinetwegen soll es keine Toten und keine Verletzten geben. Das nannte Tilgner als weiteren Grund für das momentane Abflauen der Protestbewegung auf den Strassen.
Zudem würden die Oppositionellen von der Staatsführung eingeschüchtert. Am Freitag hiess es, Demonstranten würden verfolgt. Und damit scheint die Regierung ernst zu machen. 457 Personen seien wegen «Beschädigung öffentlichen Eigentums» festgenommen worden, hiess es heute von Seiten der Polizei. Laut Tilgner wurden auf den Dächern Teherans Scharfschützen postiert. «Die Angst ist einfach zu gross».
«Das werden die folgenden Tage zeigen»
Ist die Protestbewegung damit am Ende? «Das werden die folgenden Tage zeigen müssen», so Tilgner. Nach Meinung des Journalisten scheint die Oppositionsbewegung aber einen langen Kampf anzustreben. Es bringe aber nichts auf der Strasse noch mehr Tote und Verletzte zu riskieren, so Tilgner.
Ganz ruhig blieb es in Teheran am Sonntag dann doch nicht. Am Abend, nach Einbruch der Dunkelheit stiegen erneut zahlreiche Menschen auf die Dächer und riefen «Tod dem Diktator» und «Allah ist gross» - eine in den vergangenen Tagen üblich gewordene Form des Protestes.
(cpm)