Der in den USA lebende Schweizer Designer Mark Stehrenberger am Genfer Auto-Salon 2010: «In Sachen Design sicher kein herausragender Jahrgang.» Bild: Patric Spahni
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Der deutsche Auto-Wissenschafter Ferdinand Dudenhöffer lobte den diesjährigen Genfer Auto-Salon und ist überzeugt, dass die Messe punkto
Technik sehr wichtige Signale ausgesendet hat. Stimmt das auch in
Sachen Design?
Nein, für mich persönlich stimmt das so nicht. Zwar hatte es auch in diesem Jahr ein paar schöne und interessante Sachen, aber bei einem Wein würde man wohl sagen, dass es sich 2010 nicht gerade um einen herausragenden Jahrgang handelt. Und ein eigentlicher Design-Trend war in diesem Jahr beim besten Willen nicht zu erkennen.
Also war der Salon 2010 für Sie persönlich eine Enttäuschung?
Das klingt jetzt ein bisschen zu hart. Aber ich war schon enttäuscht, dass so viele grosse Marken zu den gleichen Styling-Elementen greifen. Das führt zu einer Verwässerung der Marken und des Designs.
Was sind das für Elemente?
Zwei sind mir besonders in der Kompaktklasse aufgefallen: So mündet die waagrechte Linie der hinteren Stossfänger bei vielen neuen Autos in den Heckleuchten. Das ist beim neuen Focus so, aber auch beim Alfa Giulietta, dem Lexus CT 200h und anderen. Zudem arbeiten viele mit der Fensterlinie, die hinten hochgezogen wird. Das war mal speziell und macht das Auto sportlich, aber wenn alle mit diesen Elementen arbeiten, wird es langweilig. Da ändern dann auch barocke Elemente nichts mehr am Gesamtbild.
Barocke Elemente?
Richtig. In diesem Jahr feierten wir einmal mehr das Comeback von Barock und Rokoko – gepaart mit Chrom. Das geschieht alle paar Jahre wieder, ist aber dadurch auch nie wirklich neu.
Was spricht gegen die Entwicklung?
Wie bereits erwähnt: Die Tatsache, dass das immer wieder zurückkehrt, lässt keinen Überraschungseffekt mehr zu. Man hat alles schon mal gesehen. Ich persönlich mag solche Elemente an grossen Autos. Aber an kleinen, kompakten Fahrzeugen geht dadurch die Linie verloren.
Nennen Sie ein Beispiel?
Eher negativ schätze ich den neuen Ford Focus ein. Der aktuelle Focus überzeugt mich mit seinem klaren und einfachen Design. Der neue will viel zu viel und lenkt mit seinen Schnörkeln vom Design ab. Das stört mich persönlich sehr. Das haben andere deutsche Hersteller viel eleganter und simpler gelöst.
Wer denn?
Das beste Beispiel ist für mich der neue Audi A1. Das Design war nach den vielen Concept Cars zwar keine grosse Überraschung mehr, doch das Resultat stimmt. Ein kleines, völlig unkompliziertes Auto mit grosser Wirkung. Das wird ganz bestimmt ein Erfolg.
Und die anderen positiven Beispiele?
Vor allem die deutschen Autos. Der VW Polo funktioniert wie der Audi A1 – schlicht, aber oho. Das neue Gesicht von Volkswagen gefällt mir sowieso sehr gut. Allerdings läuft VW Gefahr, dass das langweilig wird, wenn man es weiterhin so systematisch umsetzt. Auch Opel hat mich überrascht: positiv mit dem mutigen, aber schlichten Flextreme GT/E, negativ mit dem optisch völlig überladenen neuen Meriva.
Ein Trend der letzten Jahre hat sich auch in Genf wiederholt: das Spiel
mit Scheinwerfern und dem Licht. Wie beurteilen Sie als Designer diese neue Vielfältigkeit?
Positiv. Jeder neue «Spielplatz» macht einem Designer Freude. Und irgendwie haben sich diese LED-Lichter wie zu einem zweiten Logo einer Marke entwickelt. Vor allem die neuen Audis erkennt man auch in der Nacht schon von weitem.
Auch die «Schweiz» hat mit der Studie von Hispano Suiza für Furore gesorgt. Wie gefällt Ihnen dieser Sportwagen?
Ganz ehrlich? Das Auto gefällt mir überhaupt nicht, das ist pure Effekthascherei. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Projekt jemals realisiert wird.
Mark Stehrenberger
Der Basler Mark Stehrenberger lebt seit 1964 in Kalifornien. Als Designer für Autokonzerne hat er Weltruhm erlangt. Zudem war er Lehrer
am Art Center in Pasadena. Heute betreibt er
seine Firma Mark Stehrenberger Design.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )