Hart, aber herzlich – der 370Z Roadster

Von Dieter Liechti . Aktualisiert am 17.03.2010
In diesen Tagen rollt die neue Openair-Variante des Nissan 370Z an den Start. Der zweiplätzige Roadster leistet 328 PS.
topelement Nissan 370Z Roadster: Die Openair-Neuauflage des bestverkauften Sportwagens der Welt überzeugt mit ihrer Sportlichkeit. Bild: Dieter Liechti Mehr Bilder (12)

Wer in Los Angeles mit einem Auto punkten will, muss tief ins Portemonnaie greifen. Denkt man. Doch vor dem «The London» in West Hollywood balgten sich im Dezember die Hotelangestellten gleich zweimal täglich darum, wer meinen Testwagen parkieren oder vor die Einfahrt steuern durfte. Dabei handelte es sich nicht etwa um einen Lamborghini, einen Bentley oder einen Rolls-Royce, sondern um einen Nissan. Den 370Z Roadster, der in diesen Tagen zu Preisen ab 58'700 Franken auf die Schweizer Strassen rollt. «Was macht den Z so toll?», fragte ich den Asiaten Jeff, der den Kampf um den Nissan meistens gewann. «Mit Traumautos haben wir hier immer zu tun», so Jeff. «Aber das ist ein Traumauto, das sogar ich mir einmal leisten kann. Für solche Träume lebe ich.»

Sportlichkeit allgegenwärtig

Ob Herr und Frau Schweizer auch so begeistert auf den neuen Nissan-Flitzer reagieren, wird sich zeigen. Sicher ist: Auch die Openair-Variante des 370Z sieht im Vergleich mit dem Vorgänger 350Z nicht nur viel sportlicher aus – das üppige Heck ausgenommen –, er lässt sich auch agiler bewegen. Das hat einerseits mit dem um 10 Zentimeter kürzeren Radstand zu tun, andererseits mit dem neuen Sportfahrwerk, das vorne um 15 und hinten um 55 Millimeter verbreitert worden ist. Gemeinsam mit dem um rund 30 Prozent steiferen Karosseriekörper lässt der 370Z Roadster so keine Zweifel an seiner neuen Sportlichkeit aufkommen.

Das macht bei schnellen Fahrten zwar richtig Spass, wer aber den Rodeo Drive auf und ab flanieren will, der wünscht sich rasch einmal ein bisschen weniger Härte, zumal auch die beiden Sportsitze echtes Rennwagenfeeling deutlich höher werten als den Komfortfaktor.

Apropos Komfort: Wer den sonnigen Samurai in erster Linie zum Cruisen will, der kann den 370Z mit der exklusiven Ausstattung «Pack» für 67'500 Franken auch mit einer Automatik bestellen. Wer dagegen einen Sportler will, der sollte bei der 6-Gang-Schaltung bleiben. Sie wird elektronisch überwacht und gibt beim Herunterschalten freudvoll Zwischengas – da kommt richtig Spass auf.

In 5,5 Sekunden auf Tempo 100

Dafür mitverantwortlich ist natürlich auch der weiterentwickelte und mittlerweile auf 3,7 Liter aufgebohrte 6-Zylinder-Motor: Auf die Grenzwerte der EU5-Norm geeicht, kommt er in der Schweizer Version auf 328 PS und 366 Nm Drehmoment, die mit dem Zweisitzer buchstäblich leichtes Spiel haben: In nur 5,5 Sekunden spurtet der Roadster auf 100 km/h. Theoretisch soll er sich dabei im Schnitt mit nur 11,2 Liter auf 100 Kilometer begnügen, praktisch ist das kaum realisierbar.

Zur optimierten Technik gibts ein frisch geliftetes Interieur: Die auch im Roadster fix mit der Lenksäule verbundenen Instrumente sehen edler aus, das Infotain-mentsystem mit Touchscreen funktioniert bestens, die beheizbare Glasscheibe im Heck ist grösser und das Windschott effektiver. Zudem arbeitet das neue Verdeck nun vollautomatisch. Allerdings funktioniert der Mechanismus nur im Stand und so langsam, dass selbst eine Rot-Phase in L.A. kaum für den Striptease reicht. Doch das ist Klagen auf hohem Niveau.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 17.03.2010, 09:19 Uhr

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