Sportliche Version des Panamera: Der Porsche Panamera GTS bietet ... Bild: Porsche
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Impressionen einer Rennstrecke im Morgengrauen, dazu pathetische Musik. Ein roter Sportwagen rollt aus der Box, vier Piloten setzen den Helm auf und begeben sich zum Start. Der Videotrailer für den neusten Porsche-Streich lässt zunächst vermuten, dass hier gleich wilde Rennszenen abgespielt werden. Weit gefehlt: Alle Fahrer nehmen in ein und demselben viertürigen Fahrzeug Platz, um gemeinsam über die Piste zu donnern. Unterhaltsam sind vor allem ihre Gesichter, die kindliche Freude genauso wie ernsthafte Anspannung zum Ausdruck bringen.
Porsche-Puristen werden es nicht glauben wollen, aber sogar der Panamera hat das von Gran Turismo Sport abgeleitete Kürzel GTS verdient, welches die Stuttgarter seit 1963 besonders sportlichen Modellen verleihen. Drückt man die Sport-, vor allem aber die Sport-Plus-Taste, werden Dämpfer und Luftfederung härter, das Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Gänge rascher, und das Stabilisierungsprogramm kommt nur noch im Ernstfall zum Einsatz.
Grenzen nach oben verschoben
Zudem öffnen sich in der Auspuffanlage Klappen, die den V8-Motor ohrenbetäubend röhren und bei jedem Schaltvorgang lautstarke Spucksalven ausstossen lassen. Innert 4,5 Sekunden beschleunigt das 430-PS-Geschoss auf Tempo 100 und klebt dabei so selbstverständlich auf dem Asphalt, als blieben seine 1,9 Tonnen von physikalischen Gesetzen verschont. Jede Runde auf dem Ascari Raceway in Südspanien erhöhte den Mut, stärker zu beschleunigen und später zu bremsen – dies mit kindlicher Freude und gewiss auch ernsthafter Anspannung.
Für den GTS haben die Ingenieure 30 PS mehr aus dem 4,8-Liter-Sauger der S-Version gekitzelt und ihm einen dynamischen Allradantrieb, ein um 10 Millimeter abgesenktes aktives Fahrwerk mit adaptiver Luftfederung sowie die scharfen Bremsen aus dem Turbo verpasst. Auch die grossen Lufteinlassöffnungen und der spektakulär ausfahrende Vier-Wege-Spoiler erinnern an den zwangsbeatmeten Bruder; von sportlichen Ambitionen zeugen ausserdem schwarz gefärbte Details wie die Scheinwerferumrandungen und der Diffusor am Heck.
Zwar ist der GTS etwas schwächer und langsamer als der Turbo, dafür wurde der Schwerpunkt auf die Querstatt Längsdynamik gelegt, wie Projektleiter Stefan Utsch auf der Pressekonferenz erklärte. Simpler ausgedrückt: Im Geradeauslauf ist der Turbo schneller, auf Kurven der GTS. Die Renntauglichkeit des «puristischen Mitglieds der Panamera-Familie» ist unbestritten.
Familientauglicher Supersportler
Was bleibt, ist die Frage, wer seine Zielgruppe sein soll. Christian Heiselbetz, Projektleiter für den Panamera-Antrieb, zitierte dazu einen Artikel, den er neulich gelesen hatte: «Der Panamera GTS füllt eine Lücke, die es davor gar nicht gab.» Dass sich fortan viele Rennfahrer mit Viertürer auf der Piste blicken lassen, ist zu bezweifeln. Eher spricht der GTS den gut betuchten heimlichen Hobbypiloten an, dem Frau und Kinder einen wenig geräumigen Neunelfer übel nehmen würden. Übel nehmen werden sie ihm aber auch, wenn er das Potenzial des Panamera auf kurviger Strecke auskostet.
Dass die brachiale Limousine nichts für Beifahrer mit schwachem Magen ist, zeigte sich nämlich schon während der Testfahrt von Malaga zum Ascari Raceway. Wer seine Familie (oder wenigstens sein exklusives Alcantara-Interieur) liebhat, sollte den Sport-Plus-Knopf daher nur drücken, wenn er allein im GTS unterwegs ist. Oder mit drei Hobbypilot-Kollegen.
Nina Vetterli-Treml fuhr den Panamera GTS auf Einladung des Schweizer Importeurs Porsche am 28./29. Januar in Südspanien.
(Tages-Anzeiger)
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