Blaues Auto, grüne Ideen, schwarze Zahlen: Elon Musk will mit seinem Elektro-Roadster die Automobil-Welt revolutionieren, die Erde retten und Geld verdienen. Bild: Tesla
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Mit Elon Musk sprach Peter Ruch
Herr Musk, Sie sind wegen einer Kooperation mit dem Uhren-Hersteller TAG-Heuer in der Schweiz. Wollen Sie nach der Auto- und Raumfahrtindustrie jetzt auch noch in der Uhren-Welt eine Revolution starten?
Nein, das überlassen wir unserem Partner TAG-Heuer, die machen das bestens.
Sie kommen aus der innovativen, sich schnell verändernden Computer- und Internet-Welt, sind weiterhin Chef von «PayPal». Fühlen Sie sich wohl in der doch sehr traditionsbewussten Autoindustrie?
Als wir vor etwas mehr als 6 Jahren mit Tesla begonnen haben, da glaubten wir schon, dass wir die Welt auf einen Schlag verändern könnten. Es ist uns innerhalb unseres Unternehmens sicher auch gelungen, die Wege sind kurz, die Hierarchie flach. Wir haben unseren Roadster in den vergangenen zwei Jahren schon drei Mal komplett überarbeitet, deutlich verbessert – wenn ich da BMW oder Mercedes anschaue, wo die Autos viele Jahre lang genau gleich aussehen – dann haben wir da schon deutliche Fortschritte erzielt. Aber wir sind auch an unsere Grenzen gestossen, vor allem bei den Zulieferern, die sich unser Tempo nicht gewohnt sind. Für unser neues Produkt, den Tesla S, werden wir da einige Dinge ändern.
Erzählen Sie uns etwas vom Tesla S.
Ich will noch nicht über dieses Fahrzeug sprechen, es kommt erst 2012.
Sie haben es aber für nächstes Jahr versprochen, so steht das auch auf www.teslamotors.com. Sie nehmen auch bereits Bestellungen entgegen.
Der S kommt 2012.
Sind Sie eigentlich zufrieden mit den Verkaufszahlen des Tesla Roadster?
Wir sind sehr glücklich mit dem Roadster. Wir werden in diesem Jahr noch eine Niederlassung in der Schweiz eröffnen, in Zürich. Wir haben bisher rund 40 Roadster in der Schweiz verkauft, das ist der mit Abstand grösste Pro-Kopf-Anteil der Welt. Auch ist der Roadster ab diesem Jahr in Asien erhältlich, und deshalb haben wir uns entschlossen, ihn weiter zu verbessern und sicher noch bis 2012 zu bauen.
Brauchen Elektro-Autos mehr
staatliche Unterstützung?
Ich glaube nicht, der Markt wird sich selber regulieren. Sehen Sie, die Konjunkturlage ist weiterhin schlecht, deshalb ist das Benzin so günstig. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie teuer das Benzin wird, wenn die Konjunktur wieder anzieht – und das wird uns dann sehr helfen. Andererseits, wenn ich sehe, wie stark zum Beispiel die amerikanische Regierung die Ölindustrie unterstützt und was wir an Subventionen erhalten, dann würde ich mir schon wünschen, es wäre umgekehrt.
Verschiedene grosse Autohersteller wollen in Kürze auch Elektroautos bauen. Doch es wird derzeit noch heftig über Standards und Normen diskutiert.
Wir haben dieses Problem nicht, unsere Autos lassen sich fast überall auf der Welt mit sogenanntem Industrie-Strom problemlos und sicher aufladen. Aber es ist gut und wichtig, wenn grosse Hersteller wie Nissan oder VW auch Elektroautos bauen, das verleiht dem Markt einen Schub.
In den USA, Ihrem wichtigsten Markt, ist immer noch der riesige Ford F-150 Pick-up das meistverkaufte Auto. Wie lange wird es noch dauern, bis
ein Umdenken stattfindet?
Ich bin überzeugt, dass in 15, spätestens 20 Jahren die Mehrheit der neu gebauten Fahrzeuge Elektroautos sein werden. Und in 35, spätestens 45 Jahren werden mehrheitlich elektrisch betriebene Autos auf unseren Strassen fahren. Ich sehe mich als einen Katalysator – wir haben mit Tesla etwas begonnen, was die Welt verändern wird. Die Menschen begreifen langsam, dass sie umdenken müssen, dass unsere Ressourcen an Öl und Kohle nicht unendlich sind. Dass wir jetzt etwas tun müssen, um unseren Planeten zu retten.
Kann da die individuelle Mobilität die endgültige Lösung sein?
Davon bin ich überzeugt, der öffentliche Verkehr kann unsere Bedürfnisse nicht decken. Aber es wird wichtig sein, dass wir eine sinnvollere Mischung zwischen öffentlichem und privatem Verkehr zustande bringen.
Ihr jüngstes Investment betrifft Solar-City, ein Unternehmen zur Herstellung von Sonnen-Panels. Besteht da ein direkter Zusammenhang mit Tesla, sollen die Kunden daheim ihre ganz private Sonnen-energie-Tankstelle aufstellen?
Wir haben mit Solar-City gerade auf der Strecke zwischen Los Angeles und San Francisco eine ganze Reihe von Solarstrom-Tankstellen aufgestellt. Dort können sich zum Beispiel Tesla-Fahrer gratis bedienen. Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir mehr in erneuerbare Energie investieren müssen, nicht nur Sonnen-Energie, auch Wind. Und Atomkraft. Es ist mir ein grosses Bedürfnis, der Menschheit das klar zu machen.
Sie sind Vater von fünf Kindern. Was werden diese fahren, wenn sie erwachsen sind?
Natürlich einen Tesla.
Elon Musk
Elon Musk wurde 1971 in Südafrika geboren, wanderte mit 17 Jahren nach Kanada aus. 1995 gründete er Zip2, das er 1999 für über 300 Millionen Dollar an Compaq verkaufte. Danach entwickelte er das Internet-Bezahlsystem «PayPal», das er 2002 gegen 1,5 Milliarden Dollar an Ebay verkaufte. Neben Tesla gehört Musk auch das Solar-Energie-Unternehmen SolarCity sowie SpaceX, mit dem Musk die Raumfahrt revolutionieren will.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )