@Rosemarie Primault sie hätten sie verbrennen sollen. Der grösste Vertrauensbruch den man als Eltern machen kann, ist die Tagebücher und Briefe der Kinder zu lesen. Das sollte auch für berühmte Schriftsteller gelten. Für die heutigen Schriftsteller gilt, alles noch zu lebzeiten verbrennen was nicht in die Oeffentlichkeit gehört.
René Bosshard 30.03.2010, 22:09 Uhr
Ich möchte das gerne lesen – ohne Voyeurismus – bereits im 2. Tagebuch war viel die Rede vom Alter(n) – nun von seinen Gedanken im «erreichten» Alter lesen zu können, davon verspreche ich mir einige Erkenntnis. Auch ohne stilistische Überarbeitung – er war ein grosser Stilist. Zur Verbitterung im Alter – vielleicht war er einfach Realist ?? Wenn auch mit leichten Vorbehalten – veröffentlichen.
carlo bernasconi 30.03.2010, 18:04 Uhr
kommentiert: ja, unkommentiert: nicht unbedingt. Ich freue mich auf die Lektüre und mehr noch: auf mein eigenes Urteil. Frisch lese ich, seit ich denken kann (das ist auch schon eine weile her...). dem urteil von peter von matt vertraue ich, seit ich ihn auch persönlich kenne. und ich freue mich auf noch mehr: auf das 'berliner journal' und weitere texte von m.f.
Dante Eggenberger 30.03.2010, 16:08 Uhr
@D. Meili: Gar nicht einverstanden, dass MFs grosse Zeit die 50er-Jahre waren. Fuer mich und viele im Gegenteil. Ich finde, er wurde thematisch immer klarer und sprachlich luzider (die letzten Werke). "Biografie: ein Spiel" (1966), die Tagebuecher, "Montauk". "Holozaen" ('79): (wieder: fuer mich) mit "Blaubart" ('82) und "Gantenbein" ('64) Hoehepunkte. Obwohl MF "Blaubart" scheinbar verworfen hat.
face book 30.03.2010, 16:07 Uhr
Herrlich. Die grossen Literaturverwalter warnen vor Facebook. Und veröffentlichen hinter dem Rücken ihrer toten Helden jedes Fötzeli Papier!
Alain Burky 30.03.2010, 15:08 Uhr
Die Tagebuecher gehoeren sicher nicht zum Hauptwerk von Max Frisch.Im Fall Franz Kafka / Max Brod lagen die Dinge sicher anders.
Marc Keller 30.03.2010, 14:58 Uhr
Warum eine solche Aufregung? Gerade die Tatsache, dass "unverfälschte" (von Frisch nicht x-mal überarbeitete Texte) veröffentlicht werden, macht doch das Ganze interessant. Aufgeschlossene Leser haben das Recht, einen unverfälschten Frisch zu lesen. Bravo Peter von Matt. Max Frisch hat sonst auch seine Meinung schonungslos kundgetan.
Marc Blattman 30.03.2010, 14:28 Uhr
Es hat doch schon zu genügen, dass es gegen den Willen von Max Frisch war. Diese Texte gehören nicht veröffentlicht.
David Meili 30.03.2010, 14:25 Uhr
Dürrenmatt wurde von seiner "Letzten" noch als Untoter vermarktet, Firschi blieb dieses Schicksal erspart. Die grosse Zeit von Frisch waren die fünfziger Jahre, das spätere Werk hat - unter uns - kaum mehr jemand gelesen. So ist das Tagebuch letztlich ein Zeugnis für den naturbedingten Zerfall, wie für den Verlag, der es publiziert.
Henry Adler 30.03.2010, 14:21 Uhr
Das ist eine absolute Frechheit! Frischs Willen so zu übergehen und ihn zu kommerzialisieren ist eine absolute Frechheit!
Rosemarie Primault 26.03.2010, 10:13 Uhr
die Notizen Max Frischs waren nie zur Veröffentlichung gedacht. Ich habe sie dem Archiv zur Aufbewahrung anvertraut genau mit diesem Hinweis. Die Kopie war bei mir liegengeblieben weil Max Frisch andere Arbeiten vorzog. Die Notizen gehörten aber auch nicht in meine Schublade, doch ich bedaure zutiefst, was damit geschah. Als literarische Notizen gehören sie in einen grösseren Zusammenhang gestellt
Luzia Keller 19.03.2010, 18:01 Uhr
@Dante Eggenberger: ich teile Ihre Ansicht. Denn früher oder später werden diesen intimen Zeilen Frisch's pietätlos veröffentlicht und niemand will dann der/die Schuldige gewesen sein! Lieber in Form eines Anhangs zum 'Tagebuch 2' gemäss Muschg, wo eine biographische Verbindung hergestellt und im richtigen Kontext erscheint. So wird dem Schaffen des Autors respektvoll Rechnung getragen.
Peter Rupf 19.03.2010, 17:22 Uhr
Akt 1: Frisch verkneift sich zu Lebzeiten nicht, zu allem und jedem seinen Kommentar zu geben. Akt 2: Frisch schreibt seine intimen Gedanken auf, auch wenn diese sein Bild in der Öffentlichkeit relativieren könnten. Akt 3: die Idolhuldiger entrüsten sich über die Veröffentlichung der Gedanken aus Akt 2. Finale: nach der unbefleckten Empfängnis kommt das unbefleckte Schreibheft des Messias.
minder romy 19.03.2010, 16:41 Uhr
Ich bin erstaunt wie interessant die zitierten Stellen aus Frisch's Tagebuch mir gefallen haben.Ueberdies bin ich überzeugt,dass manchmal die alltäglichen Dinge aus dem Leben eines Schriftstellers mehr über ihn aussagen als Biografien oder Lobreden.Diese Notizen zeigen, wie verletzlich wir alle gegen Ende unseres Daseins sind. ich warte auf die Veröffentlichung seiner späten Gedanken - egal wie !
Dante Eggenberger 19.03.2010, 15:26 Uhr
Wahrlich ein Dilemma. Ich faende eine kommentierte Ausgabe die respektvollste Loesung. Andereseits sprechen die zitierten Stellen unverkennbar Max Frischs Sprache. Sie klingen ueberhaupt nicht unreflektiert und im Affekt geschrieben. Und dass sich hier da und dort die Wut und das Leiden an der Welt und an sich selber unverhuellt vom hoechstfeinen Schleier seiner Ironie zeigen, ist ja nur der augenscheinliche Beweis dafuer, dass sich genau das dahinter befindet und befunden hat. Wenn die restlichen “Entwuerfe” nichts “Brisanteres” oder Verfaenglicheres an den Tag bringen, besteht nicht die Gefahr, dass sie Voyeuristenfutter sind, was meiner Meinung nach der billigste Effekt und niedrigste Zweck solcher Projekte waere.
Yves Mundorff 19.03.2010, 15:10 Uhr
Die Veröffentlichung ist Geldmacherei auf die billigste Art und Weise. Einfach nicht kaufen!
Res Zaugg 19.03.2010, 15:03 Uhr
Andere Frage: Muss die Welt denn den Inhalt dieses Tagebuches kennen?
Ich meine: Um Himmel willen, nein!!
Matthias Künzi-Graf 19.03.2010, 14:58 Uhr
Es gehört zur Würde einer sogenannt öffentlichen Person, dass nicht jeder private oder berufliche Paparazzi glaubt, seine Nase in's Privatleben stecken zu können. Bei einer Güterabwägung zwischen Persönlichkeitsschutz und öffentlichem Interesse muss dem Schutz der Privatsphäre höhere Beachtung geschenkt werden. Umso mehr, als dass es der Öffentlichkeit ja oft nur um Schaulust geht, nicht um Anteil
Bachmann Dieter 19.03.2010, 12:59 Uhr
In der Abstimmung fehlt die Option "ja, aber erst 2066". Dass geistiges Eigentum 75 Jahre nach dem Tod des Autors erlischt, halte ich für richtig. Nach dieser Zeitspanne wird der Autor von einem "Verstorbenen" zur historischen Figur. Intime Details über Verstorbene sind pietätlos, über historische Figuren sind sie aber allenfalls von akademischem Interesse. Also bitte erstmal 50 Jahre warten.
S.R. L. 19.03.2010, 12:24 Uhr
Da gibt's doch Verlegerrechte, bzw. Autorenrechte, die im Sinne des Autors über "gut für Frisch" befinden!
Bernard Bosson 19.03.2010, 11:47 Uhr
@ Barbara Dummel : Richtig, dieser Artikel ist scheinheilig. Wir indessen machen es auch nicht besser, wir haben ja schliesslich den Artikel angeklickt.
Ralph Treier 19.03.2010, 11:45 Uhr
Nein, kann man heute weder in würde sterben noch das ansehen eines verstorbenen rein halten.
Dummel Barbara 19.03.2010, 11:27 Uhr
Ich finde es aber auch total daneben, dass man im vorliegenden Artikel über die Intimität in einem Tagebuch schreibt! Für was dann diese Abstimmung, denn es wird ja hier¨in den Medien schon breitgeschlagen
Gerhard Keller 19.03.2010, 11:25 Uhr
Das ist doch literarische Leichenfledderei. Aus der Tatsache, dass der Text "nun einmal in der Welt" ist kann man doch weder seine freie Verwertbarkeit ableiten noch die Legitimation herzerren, Geld damit zu machen. Es gilt der Wille des geistigen Eigentümers, auch wenn er nicht mehr unter uns weilt.
Kommentar schreiben
Artikel
24 Kommentare
majo naef 31.03.2010, 10:24 Uhr
René Bosshard 30.03.2010, 22:09 Uhr
carlo bernasconi 30.03.2010, 18:04 Uhr
Dante Eggenberger 30.03.2010, 16:08 Uhr
face book 30.03.2010, 16:07 Uhr
Alain Burky 30.03.2010, 15:08 Uhr
Marc Keller 30.03.2010, 14:58 Uhr
Marc Blattman 30.03.2010, 14:28 Uhr
David Meili 30.03.2010, 14:25 Uhr
Henry Adler 30.03.2010, 14:21 Uhr
Rosemarie Primault 26.03.2010, 10:13 Uhr
Luzia Keller 19.03.2010, 18:01 Uhr
Peter Rupf 19.03.2010, 17:22 Uhr
minder romy 19.03.2010, 16:41 Uhr
Dante Eggenberger 19.03.2010, 15:26 Uhr
Yves Mundorff 19.03.2010, 15:10 Uhr
Res Zaugg 19.03.2010, 15:03 Uhr
Matthias Künzi-Graf 19.03.2010, 14:58 Uhr
Bachmann Dieter 19.03.2010, 12:59 Uhr
S.R. L. 19.03.2010, 12:24 Uhr
Bernard Bosson 19.03.2010, 11:47 Uhr
Ralph Treier 19.03.2010, 11:45 Uhr
Dummel Barbara 19.03.2010, 11:27 Uhr
Gerhard Keller 19.03.2010, 11:25 Uhr