Sega spielt fast wieder mit

Von Anatol Heib. Aktualisiert am 10.10.2008
Videospiel-Hersteller Sega überrascht alle: 2009 soll ein portables Gerät erscheinen. Gamer sind trotzdem enttäuscht.
topelement «Sonic the Hedgehog»: Segas Maskottchen ist populär und sollte es mit Nintendos Klempner Mario aufnehmen. Mehr Bilder (10)
Sega Vision heisst das neue Gerät. Gamer dürften allerdings ein wenig enttäuscht sein. Die portable Hardware ist keine Spielkonsole für unterwegs, sondern laut «PC Welt» nur ein Personal Media Player, mit dem man Musik hören und Videos und TV anschauen kann. Zudem soll das Gerät über eine integrierte Kamera verfügen. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Zukunft des Buches ist vor allem eine weitere Funktion interessant: Mit Vision kann man elektronische Bücher (Ebooks) lesen. Ganz auf Spiele verzichten müssen Käufer aber nicht: die Hardware unterstützt einfache Java-Games.

Bewegte Geschichte

Der Name Sega hat für viele Gamer etwas Magisches und ist mit der Geschichte der Videospiele stark verbunden. Das japanische Unternehmen stellte bis vor sieben Jahren selbst Spielkonsolen her. Die erste Konsole, die auf den Markt kam, war die SG-1000 (1984), zwei Jahre später folgte das Master System. Ab Ende der 80er-Jahre lieferte sich das Unternehmen mit Nintendo, der damaligen Nummer eins, einen Kampf um Marktanteile. Gegen «Big N» schickte Sega 1989 das Mega Drive ins Rennen. Für Fans eine der besten Konsolen des Konzerns. Sie bot vor allem in Europa und den USA Nintendo Paroli. Der Kampf wurde auch zum Duell der Maskottchen. Nintendo hat seinen Klempner Mario, Sega stellte ihm Sonic und die gleichnamigen Jump'n'Run-Spiele entgegen. Bis heute ist Sega aktiv im Geschäft mit Spielautomaten (Arcade). Klassiker sind «Soul Calibur», «Sega Rallye» oder «The House of the Dead».

Mini-Konsole Game Gear

Anfang der 90er-Jahre war Sega auch im Markt mit den portablen Konsolen aktiv. Auch diesen dominierte inzwischen Nintendo - mit dem Gameboy. Der damaligen Schwarzweiss-Version hielt Sega 1990 den Game Gear mit Farbdisplay entgegen. Das Gerät war allerdings viel zu teurer, nicht sehr kompakt und hatte ein bescheidenes Spielangebot. Vor allem aber fiel der enorme Batterieverbrauch (sechs 1,5 Volt Batterien) negativ auf. Der Gameboy hielt zirka 14 Stunden, Segas Gerät machte nach etwa fünf Stunden schlapp.

Unklare Strategie

Nach dem Erfolg mit dem Mega Drive wusste Sega nicht so recht, wie der Erfolg fortgesetzt werden sollte. Das Unternehmen verzettelte sich mit vielen teuren Hardware-Erweiterungen fürs Mega Drive, die den Konsumenten verwirrte. 1994 kam mit dem Saturn eine neue Konsole auf den Markt, die die Playstation 1 angreifen sollte. Mit den Umsetzungen von Arcadespielen aus der Spielhallte hatte sie zwar eine treue Fangemeinde, blieb kommerziell aber unter den Erwartungen.

Letztes Gefecht mit der Dreamcast

Doch Sega liess nicht locker. 1999 eröffnete das Unternehmen mit der Dreamcast den Kampf um die neue Konsolengeneration. Die Konkurrenten waren bei der Lancierung noch mit ihren in die Jahre gekommenden Konsolen auf den Markt: Nintendo mit dem Nintendo 64 und Sony mit der Playstation 1. Wenig später brachten auch sie ihre neuen Konsolen auf den Markt.

Die Dreamcast beeindruckte mit einer sehr guten Grafik und einer nahezu perfekten Umsetzung von Spielhalleklassikern. Bei den Fachmedien und Sega-Fans kam sie durchwegs gut weg und bot mit eingebautem 56k-Modem sogar Online-Gaming. Doch auch diese Konsole brachte nicht den gewünschten kommerziellen Erfolg.

Vor allem mit dem Start der Playstation 2 im Jahre 2000 (Sony hatte inzwischen Nintendo von der Spitze verdrängt) gerieten die Verkäufe ins Stocken. Sonys Konsole hatte bald auch ein grösseres Spieleangebot zu bieten. Auch der integrierte DVD-Player der Playstation 2 dürfte für einige Konsumenten ein Kaufargument gewesen sein.

In dieser Zeit fehlte Sega auch zunehmend die Unterstützung der Spielhersteller. Angekündigte Games verzögerten sich oder wurden gestoppt. Branchenriese Electronic Arts (EA) produzierte für Dreamcast sogar von Anfang an keine Spiele. Angesichts der vielen EA-Verkaufsschlager wie die Sportserien «Fifa» oder «NHL» war das für Segas Konsole sicher ein nicht zu unterschätzender Nachteil.

Rivalen schliessen Frieden

Sega war inzwischen finanziell angeschlagen. 2001 gab das Unternehmen die Dreamcast auf und zog sich komplett aus dem Konsolenmarkt zurück. Seitdem konzentriert man sich nur noch auf die Herstellung von Videospielen für alle möglichen Systeme. Besonders unter Retro-Gamern geniesst Sega weiterhin einen sehr guten Ruf, gelobt werden vor allem die innovativen Spielkonzepte in der Vergangenheit. Die Konsolen sind je nach Ausführung begehrte Sammlerstücke.

Ironie der Geschichte: Sonic-Spiele sind seitdem auch für Konsolen des einstigen Rivalen Nintendo erschienen. 2007 schlossen die Maskottchen-Rivalen sogar Frieden: Mario und Sonic traten gemeinsam in einem Sportspiel auf - für Gamer eine Sensation.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnetz )

Erstellt: 09.10.2008, 08:48 Uhr

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