Das Internet: Opfer des eigenen Erfolgs? Bild: WireImage
Das Internet wurde im zweiten Quartal dieses Jahres langsamer. Das ergibt der aktuelle Bericht zum Zustand des Internets von Akamai, einem Anbieter von Beschleunigungsdiensten für Onlineanwendungen und -inhalten. Den deutlichsten Rückgang gibt es ausgerechnet in der Schweiz (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Allerdings: Die Frage, warum das Internet langsamer wird, beantwortet Akamai nicht.
Laut dem Schweizer Internetexperten Guido Rudolphi vermag das Angebot derzeit nicht mit der Nachfrage mithalten. Konkret: Zwar sei in der Schweiz die Breitbandinfrastruktur gut ausgebaut, die Nutzung derselben habe sich aber intensiviert. «Filesharing nimmt zu und die Nutzer laden sich nicht mehr nur Bilder oder einzelne Songs herunter, sondern ganze Filme, zunehmend auch in HD-Qualität.» Wenn das Internet langsamer werde, sei das prinzipiell ein gutes Zeichen. «Das beweist, dass die Leute mit dem Angebot zufrieden sind.»
Bereits 2007 kritisierte der IT-Guru Lawrence G. Roberts, Mitbegründer des Internet-Vorläufers Arpanet, die enorme Beanspruchung des Internets durch Peer-to-Peer-Netze. Diese haben bereits vor zwei Jahren 80 Prozent der Bandbreite beansprucht. Laut einer dieses Jahr publizierten Untersuchung des spanischen Telekommunikationsanbieters Telefónica verursachen fast drei Viertel der Unternehmenskunden nur ein Prozent des Datenverkehrs, dagegen verursachten 2,3 Prozent der Kunden über drei Viertel des gesamten Datenaufkommens. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei dieser kleinen Minderheit um Nutzer von Tauschbörsen handelt.
In drei Jahren der Kollaps?
Doch wann sind die Grenzen der Langsamkeit erreicht? Spätestens in drei Jahren, so das Resultat einer Studie von Nemertes Research. 2012 kann die Bandbreiten-Nachfrage der Internetnutzer nicht mehr gedeckt werden. Online-Dienste, die eine hohe Bandbreite erfordern, beispielsweise das Video-Streaming, würden dann nicht mehr zur Zufriedenheit der Nutzer funktionieren.
Laut Nemertes Research arbeiten immer mehr Unternehmen mit Videokonferenzen, was die Nachfrage nach noch mehr Bandbreite zusätzlich erhöht. Werde nichts gegen die drohenden Engpässe unternommen, so die Forscher, drohe sich das Internet zu einer Mehrklassengesellschaft zu entwickeln. Den besten Internet-Zugang bekäme dann der Meistbietende.
Für Fredy Künzler vom Zürcher Provider Init 7 sind nun die Provider gefragt: «Ein Breitband-Anschluss mit nominal 10 Mbit pro Sekunde ist häufig sehr viel langsamer, speziell in der Rushhour – in Zeiten, wo viele Leute im Internet sind.» Einige Provider würden ihre Kapazitäten aber nicht oder erst dann ausbauen, wenn der Leidensdruck zu gross werde. «Darunter leiden die Nutzer, das kann nicht sein.»
Zunahme des mobilen Internets
Für die in der Studie von Akamai festgestellten sinkenden Verbindungsgeschwindigkeiten könnte auch die zunehmende Nutzung des mobilen Internets mitverantwortlich sein. Schliesslich surfen mittlerweile Millionen Menschen mit ihren Smartphones. Und Datentransfers über mobile Geräte sind in der Regel langsamer.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )