Sie legte den Grundstein für das Handy

Aktualisiert am 09.11.2009
Heute ist Tag der Erfinder. Ausgerufen wurde er zu Ehren einer Hollywood-Diva: Hedy Lamarr war nicht nur die erste Nackte im Film. Sie erfand auch eine störsichere Funkfernsteuerung für Torpedos.
topelement Eine missachtete Erfinderin: Sie war war ein Hollyoodstar – und eine gewiefte Ingenieurin.
Eine Hollywood-Schönheit, die in der Freizeit als Ingenieurin an technischen Geräten herumtüftelt: Diese Kombination mutet reichlich seltsam an. Bei Hedy Lamarr (1914–2000) traf sie zu: Mit der Erfindung der Frequenzsprungtechnik legte sie 1940 die Grundlage für das Handy. Ihr zu Ehren wurde der 9.November, ihr Geburtstag, zum Tag der Erfinder ausgerufen. Als Erfinderin freilich wurde «die schönste Frau des Jahrhunderts» nicht Ernst genommen. Aus ihrer Entdeckung – eine störsichere Funkfernsteuerung für Torpedos – wurde vorerst kein Nutzen gezogen.

Lamarr wurde am 9.November 1914 als Hedwig Eva Maria Kiesler, Tochter eines jüdischen Bankdirektors, in Wien geboren. Schon mit 16 hatte sie ihre erste Filmrolle, mit 19 bereits war sie berühmt – als die erste Nackte der Filmgeschichte in «Ekstase».

Nach der Heirat mit dem Waffenfabrikanten Friedrich Mandl im selben Jahr musste sie auf Geheiss des Gatten die Filmerei einstellen. Stattdessen spitzte sie bei den Geschäftsessen die Ohren und bekam so einige technische Grundlagen mit. Die Ehe war unglücklich, 1937 floh sie vor Mandl zunächst nach Paris, dann nach London. Sie sollte noch fünf weitere Male heiraten, 1951 den gebürtigen Berner Bandleader Teddy Stauffer.

Geschenk verschmäht

MGM-Boss Louis B.Mayer machte aus Hedwig Kiesler Hedy Lamarr und holte sie nach Hollywood. Bis 1958 drehte sie dort 30 Filme, darunter Kassenerfolge wie «Ziegfeld Girl» oder «Samson and Delilah».

1940 half sie dem Komponisten George Antheil, ein Werk für 16 automatische Klaviere zu synchronisieren. Dafür erfand sie die Methode der Frequenzsprungtechnik, die sie später für Funklenkwaffen weiterentwickelte und patentieren liess. Das Patent schenkte sie dem amerikanischen Staat, der es aber ungenutzt auslaufen liess. Erst danach wurde das «frequency-hopping» als Grundprinzip der Mobilfunktechnik entdeckt. Seither gilt Lamarr als glamouröser Prototyp des missachteten Erfinders.

Hedy Lamarr starb vereinsamt, zuletzt trat sie nur noch telefonisch mit Verwandten in Kontakt.

(se/sda)

Erstellt: 09.11.2009, 11:24 Uhr

Weitere Artikel Digital