Die Zeitungsindustrie setzt auf E-Book-Readers mit Gross-Display. Sie spannt dabei mit dem Technologieunternehmen Plastic Logic zusammen.
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Branchenvertreter gehen allerdings davon aus, dass erst die nächste E-Book-Generation wirklich breit abgesetzt wird. «Der Sony Reader ist nur ein Zwischenschritt», sagt Michael Justus, kaufmännischer Geschäftsführer des S. Fischer Verlags.
In der «Pipeline» sind bereits Lese-Geräte, die anders als der Sony Reader schnurlosen Zugang zum Internet bieten. Damit kann man jederzeit Bücher downloaden, ohne den Umweg über einen PC machen zu müssen.
Ausserdem können auch Zeitungen und Zeitschriften heruntergeladen werden. Die Benutzer solcher Geräte könnten dann auch Zugang zu E-Mails und Blogs haben. «Dann kann ein Gerät sehr erfolgreich sein», glaubt Ronald Schild, E-Book-Fachmann beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt.
Leserfreundlicher
Um nicht nur eine Minderheit anzusprechen, muss ein digitales Lesegerät eben noch viele andere Funktionen erfüllen. Lesegeräte und Smartphones scheinen zusammenzuwachsen: So wird das mit einer speziellen Software mögliche Lesen etwa auf dem iPhone von Apple immer beliebter.
Vor wenigen Tagen hat der Onlinebuchhändler Amazon, der mit seinem Lesegerät Kindle in den USA Erfolg hat, die Kindle-Software auch für das iPhone zur Verfügung gestellt. Unbestritten ist, dass die derzeit gängigen Lesegeräte wie Kindle und Sony Reader viel lesefreundlicher sind als die ersten E-Book-Geräte vor zehn Jahren.
Die neue Generation hat neben einer grossen Speicherkapazität auch eine konstant hohe Bildschirmqualität: Dank einer elektronischen Tinte können sie überall - ob am Strand oder am Sofa zu Hause - gelesen werden.
Mittlerweile Chefsache
Der Sony Reader kommt in der Schweiz für 449 Franken in die Läden - mit vorinstallierten Leseproben aktueller Bücher und zwei kompletten Romanen inklusive. Für den US-Markt hat Sony, das nach eigenen Angaben bisher rund 300'000 elektronische Lesegeräte weltweit verkauft hat, bereits ein Nachfolgemodell angekündigt.
Dort muss sich Sony mit Amazon messen, das dort seit wenigen Tagen mit dem technisch verbesserten Kindle 2 auf dem Markt ist. Wie beim Vorgängergerät können die Bücher beim Kindle 2 direkt über Mobilfunkverbindung von Amazon runtergeladen werden.
Unklar bleibt weiter, wann Amazon mit dem Kindle nach Europa kommt. Die Verlage scheinen inzwischen die digitale Herausforderung anzunehmen: «Seit der Frankfurter Buchmesse hat ein Umdenken eingesetzt», sagt Schild. In vielen Verlagen sei das Thema E-Book jetzt zur Chefsache erklärt worden.
E-Books günstiger?
Vieles bleibt beim Thema E-Book allerdings offen, so etwa die Frage nach dem Kopierschutz. Als Lehre aus den leidvollen Erfahrungen der Musikindustrie mit den Raubkopierern befürwortet die Branche ein «elektronisches Wasserzeichen» beim E-Book.
Elektronische Bücher können dann wie jedes andere Buch an Freunde weitergegeben werden, sagt Schild. Wenn sie jedoch bei illegalen Tauschbörsen auftauchen, kann der Weg zum Absender über das Wasserzeichen zurückverfolgt werden.
Dass digitale Titel künftig langfristig billiger werden als herkömmliche Bücher ist überdies nicht ausgemacht, wie zumindest S. Fischer-Geschäftsführer Justus erklärt: Die Herstellung und der Vertrieb von E-Books seien mindestens genauso teuer, sagt er.
(rek/sda)