Spaghetti-Western für die Spielkonsole

Von Anatol Heib . Aktualisiert am 07.06.2010
Für glorreiche Halunken: Game-Hersteller Rockstar versetzt den Spieler in «Red Dead Redemption» in eine frei begehbare Westernwelt.
topelement In der Rolle des wortkargen Cowboys John Marston erkundet man den Wilden Westen. Mehr Bilder (9)

Die Hersteller der Gangsterspiel-Serie «Grand Theft Auto» versetzen uns in ihrem neusten Werk für Erwachsene in die USA von 1911. Es ist die Zeit, in der der Wilde Westen langsam gezähmt wird. Indianer werden in Reservate verfrachtet, der Fortschritt in Form des Schienennetzes breitet sich unaufhaltsam in der wilden Prärie aus und die Bundesbehörden dehnen ihren Einfluss bis in den letzten Winkel aus.

In diesem Umfeld übernimmt man die Rolle von John Marston. Der ehemalige Outlaw mit seinem von Narben zerfurchten Gesicht würde optisch perfekt in Western wie «Für ein paar Dollar mehr» oder «Spiel mir das Lied vom Tod» passen. Marston will seine Vergangenheit hinter sich lassen, ist inzwischen Familienvater und Farmer. Doch seine Zeit als Verbrecher holt ihn ein: die Bundesbehörden zwingen ihn, seine früheren Komplizen aufzuspüren und dem Gesetz zu übergeben.

Liebe zum Detail

In «Red Dead Redemption» fasziniert die Liebe zum Detail. Die kleinen Städte, Farmer und weitläufigen Canyons könnten wie der packende Soundtrack direkt aus einem Westernfilm stammen. Es ist die nahezu perfekte Umsetzung eines Hollywood-Genres. Immer wieder hält man an, um die Landschaft zu geniessen, dynamische Tag- und Nachtwechsel sorgen für die unterschiedlichsten Stimmungen. Und wenn man sich in einer Kleinstadt oder auf einer Farm bewegt, stimmt von der Architektur über die Innenausstattung bis hin zur Kleidung der Personen jede Kleinigkeit.

Spielerisch knüpft das Spiel an das Konzept von «Grand Theft Auto» an: der Spieler taucht in eine riesige, frei begehbare Spielwelt ein, die man zu Pferd nach Lust und Laune erkunden kann. Herzstück ist natürlich die Geschichte, die man durch das Erfüllen verschiedenster Missionen vorantreibt: Marston hilft dem Sheriff mit Colt, Winchester und anderen Hilfsmitteln im Kampf gegen Viehdiebe, befreit Geiseln, bereitet sich auf die Stürmung einer Festung vor und vieles mehr.

Eine riesige Entdeckungsreise

Vor allem aber kann man neben der Geschichte unglaublich viel erleben und wird von unzähligen zufälligen Ereignissen gefordert: Man tritt zum Duell an, verfolgt einen Dieb, oder verhindert Lynchjustiz. Neben diesen Zufallsereignissen kann man bewusst auch neben der Story im Saloon pokern, tritt zum Hufeisenspiel an, reitet auf einer Farm Pferde zu oder betätigt sich in der weiten Prärie als Jäger. Denn überall in der unberührten Landschaft begegnet man Hirschen, Füchsen, Wölfen, Hasen und vielen weiteren Tieren. Fleisch und Fell kann man danach verkaufen und mit dem Geld verbessert man seine Ausrüstung. Immer wieder ertappt man sich, wie man eigentlich zur nächsten Mission reiten will, aber auf dem Weg dorthin so viel erlebt und erledigen will, dass wieder eine Stunde vergangen ist.

Spannend ist auch, wie Rockstar dem Spieler durch die Begegnung mit verschiedensten Personen die damalige Stimmung näherbringt. Da sind zum Beispiel zähe Farmer, die trotz widrigster Umstände nicht aufgeben oder Cowboys, die skeptisch über die «geschniegelten» Städter sprechen, die da mit der Lokomotive ankommen. Aber auch Klischees werden gepflegt. So darf natürlich auch der Quacksalber nicht fehlen, der ahnungslosen Farmern seine Wundermittel verkauft und Marston für seine Zwecke einspannt. Dialoge und die englischen Sprecher (deutsche Untertitel) sind professionell. Überhaupt versteht es Rockstar einmal mehr bestens, eine interessante Geschichte zu erzählen und den Spieler bei der einen oder anderen Dialogsequenz zum Schmunzeln zu bringen.

Red Dead Redemption, Playstation 3 und Xbox 360, ab 18 Jahren, zirka 99 Franken

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 07.06.2010, 13:58 Uhr

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