Bücher, die niemand lesen will

Aktualisiert am 14.08.2009
Zwei US-Bibliothekarinnen stellen die grössten Ladenhüter an den Webpranger. Wie geht man in Schweizer Bibliotheken mit unausleihbaren Büchern um?
topelement Unausleihbar: Ratgeber «Meine Katze ist verliebt». Mehr Bilder (6)

Awful Library Books heist ein Blog, der in Amerika jeden Tag 30'000 Besucher anzieht. Darin aufgelistet sind Bibliotheksbücher, die sich als Ladenhüter erwiesen haben. Zum Beispiel «Verstehe die Nachricht», ein Ratgeber zum Thema Telefonieren. Oder «Meine Katze ist verliebt», ein Buch, das sich dem Liebesleben von Hauskatzen widmet: Sex, Schwangerschaft und Jungenaufzucht.

Lanciert haben den Blog zwei Bibliothekarinnen aus Detroit. Neben einem humoristischen Ansatz, ist es ihr Ziel, andere Bibliothekaren auf Ladenhüter zu sensibilisieren. Sowie auf die finanzielle Missstände der US-Bibliotheken hinzuweisen: Wie die beiden Frauen gegenüber der englischen Tageszeitung «The Guardian» sagten, sei es für amerikanische Bibliotheken zunehmend schwierig, alte Bücher durch neue auszutauschen.

Ladenhüter landen im Altpapier

Schweizer Bibliotheken haben es da übrigens einfacher. In der Hauptstelle der Zürcher Pestalozzi Bibilothek etwa wird ein Buch, das während eines Jahres nicht ausgeliehen wurde, ausgemustert. In kleineren Filialen gilt eine Frist von zwei Jahren. Die Ladenhüter landen dann entweder im Altpapier oder auf dem Flohmarkt.

Zwar kann die Pestalozzi-Bibliothek auf Anfrage keine Ladenhüter nennen. Einen generellen Trend aber gäbe es: Sachbücher werden weniger oft ausgeliehen als Belletristik. Wobei in letzterer Kategorie Krimis und englische Ausgaben besser laufen als Romane. In den Schatten gestellt wird das von den Kinderbüchern. Sechsmal pro Jahr wechselt ein solches durchschnittlich den Besitzer. Hörbücher werden im Schnitt gar 30-mal pro Jahr ausgeliehen.

Von solchen Zahlen kann man in Detroit nur träumen. Immerhin können sich die beiden Bibliothekarinnen damit trösten: Sie haben einen Blog, der gut läuft - auch wenn er solche Bücher vorstellt: «Blut des Lebens – Eine neue Sicht auf die Menstruation».

(phz)

Erstellt: 14.08.2009, 15:42 Uhr

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