Der Kampf um das richtige Deutsch

Von Denise Jeitziner . Aktualisiert am 22.03.2010
Auf Radio DRS wird zu viel auf Mundart gesendet, so der Befund einer Studie. Auch im Kindergarten tobt ein Kampf um die richtige Sprache. Ist Schweizerdeutsch ein «nationales Problem»?
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Schlimm oder nicht - sicher ist: Erfunden hats der Roger. Nachdem der Radiopionier Schawinski 1979 den ersten Privatradiosender der Schweiz in Betrieb nahm, gab es immer mehr Mundart aus den Schweizer Radiogeräten zu hören. Heute hat jede Region ihren eigenen Radiosender mit eigenem Dialekt.

Auch das staatliche Radio DRS - mit Ausnahme von DRS 2, dem eisernen Verfechter des Hochdeutschen - setzt auf Mundart. Erst dieses Jahr wurde eine Website für Mundarten lanciert, ein Grossteil der Beiträge wird auf Schweizerdeutsch gesendet. Alles gut. Das Problem sind die Informationssendungen, findet eine Studie des Bundesamts für Kommunikation, die Radio DRS 1 mit den staatlichen Radiosendern in der Westschweiz und im Tessin vergleicht. 63 Prozent aller Informationsbeiträge bei DRS 1 sind heute auf Schweizerdeutsch, stellt die 258'000 Franken teure Studie unter anderem fest. Das Problem: Wer des Schweizerdeutschen nicht mächtig sei, könne «einem Grossteil der Sendungen auf DRS 1 nicht folgen».

Schweizerdeutsch «ist frustrierend»

Die Frage ist: Ist das nötig? Soll Radio DRS sprachliche Identität schaffen wie die regionalen Sender? Soll das Radioprogramm für jeden Schweizer, ob schweizerdeutsch-, französisch- oder italienischsprachig verständlich sein?

Der Genfer Nationalrat Antonio Hodgers beklagt in der «NZZ am Sonntag»: «Nachdem man an der Schule mindestens sieben Jahre eine so schöne wie schwierige Sprache wie Deutsch gebüffelt hat, ist es frustrierend zu realisieren, dass die Deutschschweiz – in sprachlicher Hinsicht – durch den gängigen Gebrauch des Dialekts fast hermetisch abgeriegelt bleibt.» Das Erstarken des Dialekts in der Deutschschweiz stellt für ihn ein «nationales Problem» dar.

Identität oder Integration?

Seit jeher polarisiert die Mundartthematik. Aktuell auf Kindergartenebene diskutiert – eine Zürcher Initiative kämpft für «Ja zu Mundart im Kindergarten» – ist sie nun einmal mehr auf nationaler Radio-Ebene angelangt. Was in den 70er-Jahren begann, schwappte zwischenzeitlich mit den singenden Göläs, Baschis und Züri Wests in Form von Mundartwellen hoch. Mundart schaffe Identität, sagen die Verfechter der Dialektsprache. Die Gegner werfen ihnen genau dies vor.

Identität fördern oder Integration – welcher Auftrag des Schweizer Radios soll stärker wiegen? Ihre Meinung interessiert uns.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 22.03.2010, 11:17 Uhr

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