Stehen zurzeit auf azple.com zum Download bereit: Videostills von Adrian Paci. (Quelle: azple.com) Bild: WireImage
Im Mai 2008 zeigte BBC eine vielbeachtete Dokumentation über die Star-Künstler Gilbert und George. Zugleich stand auf der Webseite des TV-Senders ein exklusiv für die Dokumentation hergestelltes Werk der beiden zum Download bereit. Kostenlos und nur während 48 Stunden.
Das neunteilige Werk konnte man sich am Computer ansehen, ausdrucken oder grossformatig aufziehen lassen. Egal wie: Jeder konnte so ein original Gilbert-und-George-Werk sein eigen nennen – andere Werke des Duos werden für Zehntausende von Franken gehandelt. Diese Download-Aktion liess die Kunstwelt aufhorchen. Ist das die neue Form des Kunstvertriebs? Könnte man dies auch kostenpflichtig einführen?
Download-Kunst-Pioniere aus Zürich
Gilbert und George waren nicht die ersten hochkarätigen Künstler, die ein Kunstwerk exklusiv im Internet anboten. Die Zürcher Kuratorin Mirjam Varadinis und die Webdesignerin Annie Wu starteten schon einige Monate vorher mit einem ambitionierten Internet-Kunstprojekt: azple.com.
Alle paar Monate gibts auf www.azple.com eine neue Werkserie eines Künstlers als PDF zum Downloaden. Nur so lange, bis die nächste Serie erscheint. Die alten Werke kann man sich dann noch ansehen, aber nicht mehr herunterladen.
Publikum bestimmt die Auflage
Auch hier gilt: Die Kunst ist nicht mehr mengenmässig limitiert, sondern durch Zeit der Verfügbarkeit. Die beiden Initiantinnen betraten damit Neuland. «Musik oder Literatur gab es auf dem Netz längst überall; bei der Kunst wurde das Netz aber ausschliesslich zur Vermittlung oder zur Präsentation von Werken benutzt, nicht aber zur Verbreitung», sagt Varadinis.
«Kunst für alle – diese Idee war schon in den 60er- und 70er-Jahren mit der Reproduktion durch Xerox-Maschinen aktuell. Wir greifen sie wieder auf.» Bisher sind sieben Editionen erschienen, die letzte wurde mehr als 5000 Mal heruntergeladen.
Kein Geschäft
Ein Problem bleibt die Finanzierung. Niemand verdient bei azple.com etwas, die Künstler machen aus Goodwill mit. Varadinis greift dabei auf die Kontakte aus ihrer Arbeit als Kuratorin am Zürcher Kunsthaus zurück. Zwar steht das Geldverdienen nicht im Vordergrund, Varadinis denkt aber, dass es möglich wäre: «Es gibt so viele Gratis-Angebote auf dem Internet, die rentieren, warum sollte das nicht auch mit einem Kunstprojekt gelingen?»
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )