Die CNN-Foto- und Filmjournalistin Margaret Moth ist im Alter von 59 Jahren gestorben.
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Eigentlich hätte sie sich einen «stilvolleren Abgang» gewünscht, so Margaret Moth kurz vor ihrem Tod. Eine typische Aussage für die Kriegsreporterin, die am Sonntag ihrem Krebsleiden erlag. «Doch das Wichtigste ist, dass man sein Leben voll gelebt hat.»
In der Tat. Die 59-Jährige, der eine Vorliebe für Bier und Zigarren nachgesagt wurde, war nur schon durch ihre äussere Erscheinung eine aussergewöhnliche Frau. Mit den tiefschwarzen Haaren, dem dick aufgetragenen Eyeliner, und der schwarzen Kleidung erinnerte sie eher an einen Gruftie denn an eine Kriegsreporterin. In ihrer Kluft, über die Jahre etwas wie ein Markenzeichen geworden, schlief sie gemäss Kollegen auch regelmässig. Die Kampfstiefel blieben dabei oftmals an. Trotzdem stand sie selbst im Kriegsgebiet stets früh auf, um genügend Zeit für ihr Make-up zu haben. Eine gewisse Eitelkeit war der Neuseeländerin wahrlich nicht fremd. In Anlehnung an den legendären Doppeldecker änderte sie ihren Nachnamen von Wilson zu Moth.
Zunge weggeschossen
Vor allem aber war Moth für ihren Mut bekannt. Als Foto- und Filmjournalistin berichtete sie 1984 von den Unruhen im Anschluss an die Ermordung der indischen Regierungschefin Indira Gandhi. Als andere Journalisten bei einem Schusswechsel in Tbilisi in Deckung gingen, blieb sie als einzige stehen und zoomte unbeirrt auf die Schützen ein. Ihre draufgängerische Art musste sie 1992 allerdings teuer bezahlen. Ein Heckenschütze in Sarajevo erwischte sie mitten im Gesicht. Moths Kiefer barst, ihre Zähne flogen heraus und ein Teil der Zunge musste dran glauben. Danach habe sie für den Rest ihres Lebens wie ein Betrunkener geklungen, so Moth über den Vorfall. Sechs Monate später reiste sie bereits wieder nach Sarajevo, «um ihre verlorenen Zähne zu suchen».
Man könnte Margaret Moth vorwerfen, was viele Kriegsreporter zu hören bekommen: Dass sie zynisch, gefühllos und eigennützig gewesen sei. Die Anekdote etwa, wie sie Baghdads verlassene Paläste als Rollerblade-Bahnen nutzte, deutet in diese Richtung. Was Margaret Moth tatsächlich antrieb, immer wieder ihr Leben zu riskieren, beschrieb sie selbst so: «Eine Passion für Geschichte – und wie sie sich vor den eigenen Augen abspielt.»
Auch Kollegen von Margaret Moth sehen nichts Zynisches in ihr. «Ihr Humor half uns, die schrecklichen Ereignisse, die um einen passierten, zu ertragen», schreibt eine CNN-Journalistin im Nachruf des Senders: «Zum Beispiel nannte Margaret jeweils zwei schreckliche Menschen – und zwang uns zu entscheiden, mit wem wir eher ins Bett gehen würden.» Wobei der Adrenalinkick wohl schon zu Moths Leben gehörte: Wenn sie gerade keine Kriege oder Krisen dokumentierte, frönte sie ihrem Hobby: Fallschirmspringen, bevorzugterweise barfuss.
(phz)