Rückkehr zum Tatort: Theresa Stucki und Hanspeter Schöpflin leben mit Angstzuständen, seit sie verprügelt wurden. SF/Reporter
Mehr Bilder (7)
Früher Morgen des 21. November 2009 in der Basler Rebgasse. Eine Gruppe Jugendlicher nähert sich Hanspeter Schöpflin von hinten, er kriegt einen Schlag verpasst, fällt hin. Es wird weiter auf in eingedroschen, er erhält Fusstritte, auch ins Gesicht. «Ich dachte, er ist tot», sagt seine Lebenspartnerin Theresa Stucki, die mit ihm unterwegs war und im Anschluss ebenfalls verprügelt wurde. Ein drittes Opfer kam noch hinzu, ein junger Mann, der helfen wollte.
Ein brutaler Angriff, völlig aus dem Nichts, ohne jeden Grund. Genau so muss es den Opfern der Schweizer Schläger in München ergangen sein. Hanspeter Schöpflin hat schwere Verletzungen davon getragen: multiple Prellungen, eine Rissquetschwunde am Kopf, ein komplizierter Vorderarmbruch und einiges mehr. «Er hatte damit noch Glück gehabt», heisst es im Film. Ohnehin hat man das Gefühl, dass die körperlichen Schäden noch das kleinere Übel sind.
Das früher unternehmungslustige Paar geht kaum noch nach draussen, ist von ständiger Angst begleitet. Das Gefühl der Sicherheit sei völlig abhanden gekommen. «Ich bin nicht mehr frei, nicht mehr unbeschwert», sagt Theresa Stucki. Hinzu kommt, dass man nach einem solchen Fall in juristische, bürokratische und ermittlungstechnische Mühlen hineingerät, die kaum Luft lassen, das Geschehene zu verarbeiten. Die Suva, die Ermittlungsbehörden, die Opferhilfe und unzählige Stellen mehr helfen zwar, sind aber auch eine Belastung. Hanspeter Schöpflin musste seine Zahnarztpraxis fünf Wochen lang schliessen, er muss sich darum kümmern, wie er für den Ausfall entschädigt wird.
Die offenen Fragen
Die Tatverdächtigen, vier Schweizer Jugendliche, konnten gefasst werden; ein Jurist erklärt, welche Strafen ihnen drohen könnten. Das ist alles, was man über sie erfährt. Im Verlauf des Films wird klar, weshalb das Hauptinteresse bei solchen Fällen im Normalfall bei den Tätern liegt und nicht bei den Opfern. Dass eine solche Tat ein Leben zerstören oder zumindest nachhaltig beeinträchtigen kann, versteht man ziemlich schnell, dazu muss man die Opfer nicht bis zur Psychologin begleiten. Was unbegreiflich bleibt: Was treibt die Täter an?
Ebenso unbegreiflich ist für den Justiz-Laien: Wie kann man die Tatverdächtigen nach drei Wochen Untersuchungshaft schon wieder auf freien Fuss setzen? Die vier Prügler bewegen sich bis Prozessbeginn in Freiheit. Diesen Fragen ging dieser «Reporter» nicht nach, darum ging es den Autorinnen Helen Arnet und Nathalie Rufer auch gar nicht. Und doch schreit diese Reportage nach einer Fortsetzung, spätestens bei Prozessbeginn.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )