Mehr als 4500 Personen haben bei der Umfrage auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet teilgenommen, in der nach einer Nachfolgerin für Regula Späni gesucht wurde, die das Schweizer Fernsehen verlässt. Als klare Siegerin ging die Wirtschaftsredaktorin Patrizia Laeri hervor, der Shooting-Star des Schweizer Fernsehens.
Was sind die Eigenschaften, die eine Sportmoderatorin mitbringen muss? Kompetenz? Gutes Aussehen? Schlagfertigkeit? Gemäss dem Resultat der Umfrage scheint die Sportkompetenz für das Publikum nur zweitrangig zu sein, Patrizia Laeri war noch nie in dem Bereich journalistisch tätig.
«Schalke 05» statt «Schalke 04»
Was sicher ist: Frauen haben es in der Männerdomäne schwer. Kommentatorinnen von Live-Veranstaltungen sind so selten wie Fussball-Schiedsrichterinnen; als Moderatorinnen von Sportsendungen sind Frauen durchaus willkommen – aber wehe, sie machen einen Fehler. 1973 unterlief Carmen Thomas, der ersten Sportmoderatorin im ZDF, jener Versprecher, der in die deutsche TV-Geschichte einging: Sie sagte «Schalke 05» anstatt «Schalke 04». Die Moderatorin war gebrandmarkt, eineinhalb Jahre nach dem Vorfall verliess sie das «Sportstudio».
Der «Schalke 05»-Lapsus oder auch die vielen kleinen Versprecher Regula Spänis im Schweizer Fernsehen wären sicherlich auch bei Männern Anlass für Kritik und Spott. Ob im selben Ausmass wie bei Frauen, darf angezweifelt werden. Es gibt aber durchaus auch Beispiele von äusserst beliebten Sportmoderatorinnen: In Italien ist die ehemalige Miss-Universe-Teilnehmerin Simona Ventura höchst erfolgreich mit ihrer Fussballsendung «Quelli che il calcio...» auf dem Staatssender Rai Due.
Die Angst der Monica Lierhaus
In Deutschland gehört Monica Lierhaus in der ARD-«Sportschau» zu den beliebtesten Moderatorinnen. Als sie vor einem Jahr verunfallte und lange im Koma lag, litt ganz Deutschland mit. Lierhaus' und Venturas Erfolgsrezept lässt sich allerdings nicht auf einen Nenner bringen: Simona Ventura fällt hauptsächlich durch ihr Aussehen auf, Monica Lierhaus überzeugt auch durch ihre hohe Kompetenz und Seriosität.
In einem Interview von 2003, als sie von Sat1 zur ARD wechselte, bestätigte Lierhaus, dass sie Angst davor habe, so wie Carmen Thomas zu enden: «Bei der ersten ‹Ran›-Sendung hatte ich Riesenangst. (...) Ich hatte vor allem die Sorge, dass es mir ein Berufsleben lang anhängt, wenn es nicht gut geht. Wenn man sich beim Fussball einmal einen Riesenschnitzer leistet, dann interessiert es keinen mehr, dass man jahrelang als Reporterin für die Nachrichten unterwegs war, dass man Landtagswahlen moderiert oder aus Belfast und Brüssel berichtet hat. Das ist dann alles weg.»
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )