Die Kämpfe einer jungen Frau: «Fatenah».
Der 30-Minuten-Film, der am Mittwoch in Ramallah im Westjordanland anlief, beruht auf der wahren Geschichte einer jungen Frau, die nicht nur gegen den Brustkrebs, sondern auch gegen unkundige palästinensische Ärzte und gleichgültige israelische Soldaten zu kämpfen hatte. Sie starb 2004. Ihr Fall wurde von der israelischen Sektion der Ärzte für Menschenrechte dokumentiert.
Kleines Budget und grosse Hindernisse
Die Filmemacher machten daraus eine Geschichte aus dem Nahen Osten, deren Protagonisten die Grenzen zwischen Arabern und Israelis überschreiten. Ein israelischer Menschenrechtsaktivist wird Fatenah zum guten Freund; ihre Liebe zu einem Mann aus Gaza bildet den roten Faden. Es ist der erste kommerzielle Zeichentrickfilm aus den palästinensischen Gebieten, mit einem Budget von ganzen 60'000 Dollar, die die Weltgesundheitsorganisation gegeben hat. Die Produzenten wollen ihn auf Filmfestivals im Ausland vorstellen.
Palästinensische Filmemacher haben es nicht leicht: kaum Geld, nur wenige erfahrene Profis und keine Möglichkeit, zwischen Gazastreifen und Westjordanland hin und her oder gar nach Israel hinein zu kommen. Regisseur Ahmad Habasch lebt im Westjordanland und konnte die meisten seiner Schauplätze nicht mit eigenen Augen sehen. Er heuerte einen Fotografen aus Gaza für Aufnahmen des Küstenstreifens an und stützte sich für Szenen, die in einem israelischen Krankenhaus spielen, auf Bilder aus dem Internet. «Ich wünschte, ich hätte da hin fahren können», sagte Habasch. «Ich glaube, dann hätte ich die Charaktere besser zeichnen können.»
Schwierige Behandlung jenseits der Grenze
Produzent Saed Andoni wollte mit dem Film auf menschlich anrührende Weise die Schwierigkeiten der Menschen aus Gaza deutlich machen, die medizinische Hilfe brauchen. Schwerkranke müssen Behandlungsmöglichkeiten im Ausland suchen, weil die schlecht ausgestatteten Krankenhäuser daheim mit ernsten Fällen nicht fertig werden. Doch es kann Wochen dauern, bis die palästinensische Bürokratie sich zu einer Überweisung bequemt und Israel oder Ägypten die Einreise aus dem abgeriegelten Gebiet erlauben oder auch nicht. Manche überleben das nicht.
Die 28-Jährige, die zum Vorbild für «Fatenah» wurde, spürte Anfang 2004 einen Knoten in der Brust, doch die palästinensischen Ärzte nahmen ihre Sorge nicht ernst. Einer erzählte ihr, das Kinderkriegen werde den Knoten heilen. Der Krebs breitete sich rapide aus, sie musste sich beide Brüste abnehmen lassen. Helfer in Israel mussten sich bei Gericht für ihre Einreiseerlaubnis stark machen, weil sie keinen gültigen Ausweis hatte - die israelischen Behörden hatten zu der Zeit das Antragsverfahren für Palästinenser eingestellt. Oft konnte sie Arzttermine nicht einhalten, weil Grenzsoldaten sie nicht nach Israel hinein liessen.
Wahre Liebesgeschichte
Die Szene, in der sie sich zum Sicherheitscheck entkleiden muss, ereignete sich nach einem Bericht der Ärzte für Menschenrechte im September 2004: Von der Krankheit geschwächt, legte sich die Frau auf den Fussboden, weil es in der Grenzstation damals keine Stühle gab. Sie öffnete ihr langes Gewand und zeigte unter dem Hemd den ausgestopften BH, der die Brustamputation verbergen sollte. Und sie wurde nach Gaza zurückgeschickt. Warum sie die Sicherheitsüberprüfung nicht bestand, ist unklar. Die israelischen Streitkräfte haben eine Untersuchung angekündigt.
Der Vater der echten «Fatenah» ist ein konservativer Mann und möchte anonym bleiben. Erst durch die Anfragen von Journalisten erfuhr er von dem Film. Vergebens bat er darum, eine kurze Szene herauszuschneiden, die kaum erkennbar die Brüste der Frau zeigt - um die Ehre seiner Tochter zu schützen, selbst Jahre nach ihrem Tod. Kopfzerbrechen bereitet ihm auch die unschuldige Romanze der Filmfigur. Im wirklichen Leben hatte die junge Frau aus Gaza davon geträumt, ihren Liebsten aus dem Studium zu heiraten. Doch, wie sie 2004 einem Reporter gestand, glaubte sie nicht daran, eine Hochzeit noch zu erleben. Von dieser wahren Liebesgeschichte wussten weder die Familie noch die Filmemacher.
(oku/ap)