Der Feind soll helfen: Die Kirche bittet Symbolforscher Robert Langdon (Tom Hanks) um Rat. Mit ihm die junge CERN-Forscherin Victoria Vetra (Ayelet Zurer).
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Der Papst ist tot, die Tränen seines Privatdieners fallen auf den zerstörten Fischerring. Ortswechsel: Im hypermodernen Forschungszentrum der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) in Genf verliert der Chef ein Auge und sein Leben.
Ungeachtet von Blut und Trauer singen auf dem römischen Petersplatz die Menschenmassen unbeirrt weiter, in Erwartung eines neuen Kirchenoberhauptes. Und in den fernen USA zieht der amerikanische Symbologe Robert Langdon im Swimmingpool seine Bahnen.
Mit mächtigen, spannungsgeladenen Bildern beginnt «Illuminati». Regisseur Ron Howard, der schon beim Vorgänger «The Da Vinci Code» (2006) Regie führte, hält den energiereichen Rhythmus bis zum Schluss.
Atemlos
«Bang, Bang, Bang. Man hat keine Zeit für etwas anderes», bringt es Hauptdarsteller Tom Hanks alias Robert Langdon auf den Punkt. Atemlos entrollt sich der klerikale Thriller. Die Handlung ist einfach und kompliziert zugleich. Wer Browns Roman gelesen hat, weiss, wovon die Rede ist. Dem Regisseur gelingt es jedoch, schlüssiger zu sein als sein schreibender Kollege.
Antimaterie - auch «Gottespartikel» genannt, da aus ihr alles entstanden sein könnte - wird unmittelbar nach ihrer erstmaligen Herstellung im CERN gestohlen. Vier Kardinäle werden kurz vor der Papstwahl brutal entführt. Alle Spuren deuten auf die «Illuminati», einen geheimen Wissenschaftlerbund, der aus Rache für erlittenes Unrecht die Kirche ausrotten will.
Der Vatikan selbst ruft seinen Erzfeind zur Hilfe: den Symbolforscher Robert Langdon, wie schon in «The Da Vinci Code» dargestellt von Hanks. Ihn unterstützt die junge Kernforscherin Victoria Vetra, verkörpert von der überraschenden israelischen Schauspielerin Ayelet Zurer.
Bestechende Schauspieler
Langdons Symbolsuche führt ihn auf einen geheimnisvollen Pfad quer durch Rom, wo die Entführten und die Antimaterie versteckt sein könnten. Auf den Spuren der vier Elemente - Feuer, Wasser, Erde und Luft - hetzt er in einer gewaltigen Schnitzeljagd und einem Crescendo an Geschwindigkeit, Brutalität und Komplikationen durch Rom.
In den Hauptrollen bestechen auch Ewan McGregor als zwiespältiger Papst-Vertrauter Camerlengo, Stellan Skarsgard als Chef der Schweizer Garde und Armin Müller-Stahl als Kardinal sowie der gebürtige Römer Pierfrancesco Favino als Inspektor Ernesto Olivetti.
Werbespot für Rom
Nicht ohne Komik lässt Howard im Vatikan zwei Kulturen, zwei Lebensgeschwindigkeiten aufeinanderprallen. Mit Langdon und Vetra stossen das Neue, das Moderne auf die würdevolle Behäbigkeit der vatikanischen Riten - und auf die Langsamkeit der italienischen Polizei.
Einmalig der Kulturkontrast in der Szene, in der Langdon unter Hochstress seine italienischen Begleiter auffordert, nicht mehr als Carabinieri, sondern als «echte Cops» zu handeln, und diese ihn daraufhin in einer heissen Autojagd zum gewünschten Ort begleiten.
Ron Howard gelingt mit «Illuminati» vor allem eine berauschende Hommage an Rom. Diese ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass dem Regisseur und seiner Truppe das Drehen im Inneren des Vatikan und der Kirchen untersagt worden war.
Über 250'000 Fotos und Videomaterial sollen der Amerikaner und sein Technikteam mit Hilfe von «falschen Touristen» in den Kirchen an Land gezogen haben. Der Petersdom und die Sixtinische Kapelle wurden in Hollywood ganz neu gebaut. Italienische Journalisten sprachen nach der Weltpremiere vor Ort von einem «grossartigen Werbespot für die Ewige Stadt».
(rb/sda)