So begann der musikalische Aufstieg Jacksons: Mit der Familiencombo Jackson Five. Michael Jackson (Mitte) und seine vier Brüder Jackie, Tito, Jermaine, Marlon bildeten in den 70er-Jahren eine erfolgreiche Soul-Band. Michael war gerade fünf Jahre alt, als er ins Showbusiness einstieg.
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Vom goldenen Pop-Dreigestirn des Jahrgangs 1958 mit Madonna und Prince war Michael Jackson lange Zeit der erfolgreichste. Nun ist er als erster gegangen. Im Alter von 50 Jahren starb er gestern kurz nach der Einlieferung in ein Krankenhaus in Los Angeles.
Schon in seiner Bruder-Band, den Jackson Five, war er der Chef, obwohl er der jüngste war. Dem kleinen Kerl gelang alles, solange er ein Kind war oder zumindest noch jung war - das Album «Thriller» von 1982 wurde zu einem der grössten Erfolge der Popgeschichte und machte ihn zum «King of Pop». Später beklagte er sich bitter, dass seine Kindheit dem Erfolg im Showbusiness geopfert worden sei, und umgab sich auf seiner «Neverland»-Ranch gerne mit Kindern. Erwachsen ist Michael Jackson wohl nie richtig geworden, sein Vermögen glitt ihm fast wie Taschengeld durch die Finger.
Geliebt, verehrt, und dann verachtet: Wegen seines körperlichen Zerfalls, der von schönheitschirurgischen Eingriffe eher noch betont wurde, war Jackson zuletzt nur noch als Maske beim Halloween-Mummenschanz ein Star. Er stemmte sich dagegen, kündigte im März eine grosse, letzte Konzertserie unter dem Motto «This Is It» an. Ein gelungener Überraschungscoup, niemand traute ihm wirklich zu, körperlich mehrere dutzend Shows in der Londoner O2-Arena körperlich durchzustehen. Kurz darauf fing wieder ein Hickhack mit Millionenforderungen an, weil das Comeback mit Haken und Ösen vertraglicher Regelungen einer in den USA geplanten und vermarkteten Familien-Reunion kollidierten.
Künstlerisch stürzte Jackson bereits 1993 ins Bodenlose, als eine Welttournee inmitten der ersten Vorwürfe eines Kindsmissbrauchs scheiterte. Nach einer Millionenzahlung an die Familie des damals klagenden Jugendlichen kam es 1994 zwar nicht mehr zum Prozess. Aber Jackson, bis dahin wegen mehr als 260 Millionen weltweit verkaufter Tonträger der Mega-Star der Zeit, hatte seitdem keinen Hit mehr.
Der künstlerische Niedergang - nach den Retro-Alben «HIStory» und «Blood On The Dancefloor» floppte 2001 auch «Invincible» - wurde von einer Demontage des Menschen Michael Jackson begleitet. Die Ehe mit Lisa Marie Presley, die 1995 nach 20 Monaten auseinander ging, wurde als PR-Manöver aufgefasst. Kurz danach heiratete er die Krankenschwester Debbie Rowe. Aus der geschäftsmässig arrangierten Ehe gingen die beiden Kinder Prince Michael (1997) und Paris (1998) hervor. Drei Jahre später wurde Prince Michael II geboren - nach Jacksons Angaben von einer Leihmutter, die mit seinem Samen künstlich befruchtet worden war. Als Jackson im November 2002 in Berlin Prince Michael II über die Brüstung eines Hotel-Balkons hielt, um das Kind den Fans zu zeigen, versetzte Jackson seinem Image damit einen weiteren Schlag.
Dennoch: Bei seiner letzten Welttournee, «HIStory» 1996/97, trat Michael Jackson in 82 Konzerten in 58 Städten der Welt vor mehr als 4,5 Millionen Fans auf. Hinsichtlich der Zuschauerzahlen war es seine erfolgreichste Tournee - und trotzdem verblasste Jacksons Stern fast so sehr wie – angeblich durch eine Krankheit – seine Haut.
Schwieriges Verhältnis zur Sexualität
Jackson hatte immer ein schwieriges Verhältnis zur Sexualität. In seinen Musikvideos waren stets die schönsten und erotischsten Frauen an seiner Seite. Man fragte sich nur, was dieser sich quiekend in den Schritt fassende Jüngling mit ihnen anfangen wollte. Und auch die Talkshow-Masterin Oprah Winfrey fragte noch 1993 in einem Interview den nicht mehr ganz unumstrittenen King of Pop, ob er denn noch Jungfrau sei. Michael wich aus und erklärte, über derlei Details rede man nicht in der Öffentlichkeit.
Details, bis hin zum mutmasslichen Aussehen seines Geschlechtsteils, wurden im ersten spektakulären Verfahren wegen angeblichen Kindsmissbrauchs auf Jacksons Neverland-Ranch bekannt. Ein 13-jähriger Junge und dessen Vater hatten Vorwürfe gegen den Popstar erhoben. Nach einer Millionenzahlung kam es 1994 zwar nicht mehr zum Prozess. Aber Jacksons Ruf war ruiniert; der Musiker wurde von Schmerzmitteln abhängig.
Dabei wären die meisten Popmusiker in der Welt froh mit den Umsätzen gewesen, die der «gescheiterte» Jackson zwischen 1995 und 2002 erzielte: Die Greatest-Hits-Kollektion «HIStory» wurde 18 Millionen Mal verkauft, der zweite Teil «Blood On The Dancefloor» sechs Millionen Mal. Das 2001, zehn Jahre nach «Dangerous», veröffentlichte Studioalbum «Invincible» setzte trotz schlechter Kritiken zehn Millionen Tonträger um.
Zweites Spektakel um Kindesmissbrauch
2003 kam es zu einem weiteren Prozess wegen Kindsmissbrauchs, in dem die Weltöffentlichkeit einen physisch und psychisch völlig fertigen Jackson zu sehen bekam. Jackson wurde freigesprochen, stand seitdem nur noch im Schatten seines sagenhaften Erfolges in den 80er-Jahren, in denen er zu den bestverdienenden Musikern der Welt gehörte. Freunde wie Elizabeth Taylor und Macaulay Culkin hielten ihm die Treue, seine Eltern Joseph und Katherine begleiteten ihn in den Gerichtssaal. Die beiden Mittsiebziger wirkten fitter als ihr Sohn.
(smh/sda)