Sauna- und Badbereich fliessen optisch und räumlich ineinander (Küng). PD
Lendenschurz, Speer, verfilzte Haare, kalte und feuchte Wohnhöhlen: Das Leben in der Steinzeit war, gemessen an unseren heutigen Massstäben, alles andere als komfortabel. Doch einen Luxus kannten die Steinzeitmenschen bereits: die Sauna. Als Schwitzkammern gruben sie Erdlöcher und füllten diese mit Steinen, die sie zuvor im Feuer erhitzt hatten. Auch zwei Millionen Jahre später schätzen wir in der kalten Jahreszeit heisse Schwitzbäder zur Entspannung: «Wenn ich müde von der Arbeit nach Hause komme, gibt es nichts Schöneres als einen Schwitzgang in der Sauna», sagt Oliver Höner, ehemaliger Schweizer Spitzen-Eiskunstläufer und heute Organisator der Eiskunstlauf-Show «Art On Ice» im Hallenstadion.
Mit Blick nach draussen
Höners Sauna steht nicht wie viele Heimsaunen irgendwo im Keller, sondern sie ist Teil der Wohnung in einem Zweifamilienhaus in Erlenbach. Zusammen mit einem grosszügig dimensionierten Bad und dem angrenzenden Schlafzimmer bildet sie seit dem Bau des Hauses vor gut einem Jahr Höners persönliche Wellnesszone. Von den Saunaliegen aus blickt man durch grosse Glasscheiben in den Garten und hinunter auf den Zürichsee. «Vor allem in der Nacht bei abgedunkeltem Licht ist das Entspannung pur», schwärmt Höner. Kein Wunder, nutzt er seine Sauna im Winter mindestens dreimal pro Woche. Auf den Geschmack der Schwitzbäder ist er in seiner Zeit als aktiver Spitzensportler gekommen, dort gehörte die Sauna mit zum Regenerationsprogramm. Schon in seiner letzten Wohnung hatte Höner eine eigene Sauna und deshalb war für ihn klar, dass er auch im neu gebauten Haus nicht darauf verzichten wollte: «Durch die Erfahrungen mit der Sauna in der vorigen Wohnung wusste ich genau, wie die neue aussehen sollte.»
Gebaut wurde die Sauna von Tony Küng. Der Wädenswiler setzt seit der Gründung seiner Firma vor fünfunddreissig Jahren in der Schweiz die Trends im Saunabereich. Einfache Holzsaunen, die man irgendwo in den Keller stellt, sucht man bei Küng vergebens: «Eine Sauna ist ein Ort der Entspannung, entsprechend muss das Ambiente stimmen.» Die Integration in den Schlaf- oder Badezimmerbereich ist für ihn deshalb nur logisch und hat zwei grosse Vorteile: Ist die Sauna Teil des Badezimmers, so wie bei Oliver Höner, nutzt man sie viel häufiger, als wenn sie im Keller steht. Zudem erspart man sich auf diese Weise separate sanitäre Einrichtungen und einen Ruheraum. Nach dem Saunieren stellt man sich einfach unter die entsprechend ausgerüstete Dusche im Bad, und zum Ausruhen kann man sich danach auch im Schlafzimmer aufs Bett legen.
Blick nach draussen
Tony Küng hat die Sauna aber nicht nur in den Wohnbereich geholt, sondern sie auch kontinuierlich geöffnet. Zuerst mit einer Glas- statt einer Holztür, später dann mit voll verglasten Fronten mit Blick nach draussen, was möglich wurde durch immer besser isolierende Verglasungen. Ein Ambiente, das man heute auch in öffentlichen Saunen geniessen kann: Zürcher Trendsetter ist hier die Sauna in der Badi Enge, die von den oberen Liegen aus freien Blick über den See bietet. Ebenso spektakulär ist der Blick aus den raumhohen Glasscheiben der Sauna im zweiunddreissigsten Stockwerk des Swissôtels in Oerlikon übers nächtliche Züri-Nord und den Flughafen.
Wer lieber privat sauniert und dabei auf Komfort und Design setzt, darf nicht knausrig sein: Alleine für eine Saunakabine in der optimalen Grösse von 2,3 mal 2,3 Metern ist mit mindestens 10'000 Franken zu rechnen. Ganz individuell gestaltete Saunen mit allem Komfort wie etwa gefederten Liegebänken aus Pappelholz, individuellem Design, Sound-Anlage und spezieller Beleuchtung erreichen Preiskategorien bis zu 35'000 Franken. Doch genau dieses Segment ist gefragt: «Der grösste Teil unserer Kunden möchte eine ganz individuelle Sauna, möglichst mit Blick nach draussen», sagt Fachmann Tony Küng.
Design und Individualität gibt es aber auch in der guten Serienfertigung. Ein Beispiel dafür sind die neuesten Modellreihen des deutschen Herstellers Klafs. Die nur in limitierter Auflage gefertigte Biorythm-Sauna beispielsweise stammt aus der Feder von Nik Schweiger, der kürzlich von einer Fachzeitschrift zum besten Innenarchitekten Deutschlands gekürt wurde und sich unter anderem mit der Gestaltung von Klubs, Bars und Restaurants einen Namen gemacht hat.
Hotel gab das Vorbild
Die Gestaltung der Biorythm-Sauna folgt derjenigen auf dem Dach des Designhotels Roomers in Frankfurt, die ebenfalls von Nik Schweiger stammt. Wie bei der Hotelvariante dominieren auch bei der Private Edition organisch gerundete Holzleisten und ergonomisch geformte Liegen das Design der Sauna. «Mit Ausnahme der Aussenmasse hatten wir freie Hand», sagt Innenarchitekt Schweiger, «inspirieren liessen wir uns von vielen Seiten – von der Lagerfeuerromantik bis hin zu modernsten Fertigungstechnologien.» Die Designer-Sauna von heute ist also fast ein direkter Abkömmling des mit Steinen beheizten Erdlochs unserer Vorfahren.
(Tages-Anzeiger)