Ein sachlicher Beitrag, der guttut

Von Liliane Minor . Aktualisiert am 30.12.2010
Immerhin macht die Zürcher Bildungsdirektorin nun einen Schritt in die richtige Richtung: Künftig soll sich der Kanton finanziell beteiligen, wenn die Volksschule ein behindertes Kind schult.

Nützt es nichts, so schadet es auch nichts: So könnte man das Resultat einer Studie zusammenfassen, die untersucht hat, wie es sich auswirkt, wenn geistig behinderte Kinder in «normalen» Schulklassen unterrichtet werden.

Eine ernüchternde Schlussfolgerung? Nur auf den ersten Blick. Denn wenn man bedenkt, welcher Glaubenskrieg in den letzten Monaten um die Integration von behinderten Kindern entbrannt ist, so tut genau dies gut: die nüchterne, sachliche Feststellung, dass es gar nicht so darauf ankommt, ob ein geistig behindertes Kind in einer Sonderschule oder einer Regelklasse eingeschult wird. Es ist also egal, welches Modell man vorzieht, man kann beides mit gutem pädagogischem Gewissen tun.

Damit kann die Freiburger Studie einen entscheidenden Beitrag leisten, um die emotionalen Diskussionen in ruhigere Bahnen zu lenken. Aber nicht nur das, sie bietet auch einen Auswegaus der angespannten Situation: Statt die Integration per Gesetz zum Regelfall zu erklären, könnte man in dieser Frage den Betroffenen problemlos die Wahlfreiheit überlassen.

Allerdings sind mit «Betroffenen» die Eltern und unterstützende Fachleute gemeint, nicht die Gemeinden. Es darf nicht sein, dass es von der politischen Überzeugung der Schulbehörde oder von der finanziellen Situation der Gemeinde abhängt, wo ein behindertes Kind zur Schule geht. Entscheidend sollen die Bedürfnisse des Kindes sein.

Immerhin macht die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli nun einen Schritt in die richtige Richtung: Künftig soll sich der Kanton finanziell beteiligen, wenn die Volksschule ein behindertes Kind schult. Bisher zahlte der Kanton nur für Sonderschulen – weshalb manchen Gemeinden die Integration zu teuer war.

Die Neuregelung ist also entscheidend. Denn eines ist klar: Solange der Kanton die eine Schulungsform finanziell besserstellt als die andere, wird der Streit immer neue Nahrung finden.

Dann besteht die Gefahr, dass Gegner wie auch Befürworter der Integration versuchen, nur das aus der Studie herauszulesen, was ihnen nützt. Und zu ignorieren, dass auch die Gegenseite gute Argumente hat. Das wäre verheerend.

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Liliane Minor.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.12.2010, 04:00 Uhr

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