«Verzicht auf den Zuschlag ist logisch»

Von Edgar Schuler . Aktualisiert am 06.10.2010
Das Nachtnetz der S-Bahnen boomt - Zum Glück, denn dadurch haben die Unfälle unter Alkoholeinfluss abgenommen. Ohne Nachtzuschlag könnte diese Abnahme noch verstärkt werden, schreibt Edgar Schuler.

Es gibt hervorragende Gründe, auf den Nachtzuschlag auf dem Netz des Zürcher Verkehrsverbunds zu verzichten. Allerdings: Dem Bahnpersonal die Arbeit zu erleichtern, ist keiner davon. Die Zusatzgebühr für das Nachtnetz ist beschlossene Sache. Wer das Nachtnetz benützt, ohne die Gebühr zu bezahlen, fährt schwarz und soll dafür geradestehen. Dass der Verkehrsverbund aber überhaupt einen Nachtzuschlag verlangt, ist ein politischer Entscheid, und politische Entscheide können und sollen Politiker anpassen, wenn das sinnvoll und bezahlbar ist.

Die wichtigsten drei Gründe, den Nachtzuschlag abzuschaffen, sind schnell gesagt: Erstens leuchtet es nicht ein, warum der bleiche Nachtvogel, der mit dem 4-Uhr-Zug nach Hause rollt, den Zuschlag bezahlen muss, während der rotbackige Wanderer, der im Frühtau um 5 Uhr in die Berge fährt, ohne Aufpreis davonkommt. Der Verkehrsverbund ist keine moralische Anstalt. Er soll seine Benutzer für die Wahl ihrer Hobbys weder bestrafen noch belohnen.

Der Nachtzuschlag ist also ein Fremdkörper im Tarifsystem, und entsprechend verständnislos reagieren viele Nachtzugbenützer. Der Aufwand für die Kontrolle ist darum teuer. Das gibt der Verkehrsverbund in einem seiner Strategiepapiere auch offen zu. Das Geld ist besser investiert in eine Zugbegleitung, die für Ordnung und Sauberkeit in den S-Bahnen sorgen kann, statt eine unsinnige Zusatzgebühr erklären zu müssen.

Der triftigste Grund aber hat mit nichts weniger zu tun als mit Leben und Tod. Wenn der Verzicht auf den Zuschlag auch nur ein paar wenige Junge mit schmalem Portemonnaie dazu bringt, den Nachtzug nach Hause zu nehmen, hat es sich schon gelohnt. Denn das ist auf alle Fälle besser, als sich von einem betrunkenen «Kollegen» nach Hause chauffieren zu lassen, bis es kracht. Immer noch ereignen sich jedes Jahr 500 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss, allein im Kanton Zürich. Dass die Zahl in den letzten Jahren abgenommen hat, ist nicht nur der gesenkten Promillegrenze zuzuschreiben, sondern auch dem Boom der Nacht-S-Bahnen. Der richtige Weg ist eingeschlagen. Die Abschaffung des Nachtzuschlags ist die logische Fortsetzung.

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Edgar Schuler

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2010, 04:00 Uhr

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