Bald gehen bei Fiat Lux die Lichter aus

Von Hugo Stamm . Aktualisiert am 23.04.2009
Uriellas Leben steht «auf des Messers Schneide». Diese Botschaft hat Jesus den Sektenanhängern übermittelt - per Telefon.

Seit über zwei Jahren lebt Erika Bertschinger isoliert in einem kleinen Zimmer ihres «Heiligtums» in Ibach im Schwarzwald. Seit Monaten wird in den Medien über ihren Gesundheitszustand gerätselt. Bei einer Untersuchung in der Fernsehsendung «Gesundheit Sprechstunde» hatte ein Arzt vermutet, Uriella leide an Krebs.

Jesus am Telefon erreicht

Trotz der Krankheit kommuniziert Uriella angeblich weiterhin mit Jesus. Nicht mehr in Volltrance wie früher, sondern per Telefon. Die jüngsten Botschaften von Jesus an die 79-jährige Erika Bertschinger alias Uriella klingen dramatisch. Danach sind die Tage des Sprachrohrs Gottes mit der schwarzen Perücke und dem Diadem gezählt. Ausserdem rebellieren viele Sektenanhänger. Für Sektenkenner besteht kein Zweifel, dass Uriellas Ehemann Eberhard Eicke alias Icordo der Autor dieser Botschaften ist.

Die jüngste «Kurzbotschaft von Jesus Christus vom 20. März 2009 an Uriella» klingt nach Meuterei: «Für Gottvater und mich ist es zutiefst erschütternd, dass 90 Prozent aller Ordensträger sich weigern, einen Auftrag ordnungsgemäss auszuführen.» Besonders schwer sollen sich jene versündigen, die für Uriella arbeiten würden, heisst es weiter. Es sei der gleiche Ungehorsam, «der in der Ewigkeit zum Engelssturz führte». Das Sündenregister, das Jesus aufzählt, ist lang: sture Auflehnung, Besserwisserei, Gleichgültigkeit, Geltungssucht, Eigenwillen, Hochmut und Stolz.

Ausweisung aus dem Paradies

Die Botschaft enthält unverhohlene Endzeitdrohungen an die Fiat-Lux-Anhänger: «Kein Erdenmensch mit diesen verheerenden Untugenden hat auf Amora Zutritt! Wer auf eine Amnestie Gottes spekuliert, lebt in einer gewaltigen Täuschung.» (Amora ist das Paradies oder Reich Gottes.)

Eine weitere aktuelle Botschaft von Jesus schildert den Gesundheitszustand des Sprachrohrs Gottes: «Ihr Leben steht auf des Messers Schneide.» Sie wird als «Eure, sich seit Jahrzehnten für Euch verzehrende und ergebenst dienende Ordensmutter» bezeichnet. Ordensträger, die die Sünde wider den Heiligen Geist begehen würden, sollen sich laut Jesusbotschaft von Fiat Lux distanzieren. «Dadurch erfolgt auch die Trennung im Jenseits.» Diese Nutzniesser könnten von Gott «in den letzten Atemzügen des jetzigen Äons» ohnehin nicht gebraucht werden. Damit ist die angeblich kurz bevorstehende Endzeit gemeint.

«Durch Narkosemittel vergiftet»

Ehemann Icordo erklärte den Rückzug von Uriella aus der Öffentlichkeit mit einer schweren Operation. Lockere Zähne hätten eine Kieferentzündung verursacht. Die Bakterien seien über die Wurzelkanäle bis zu den Augen vorgedrungen. Ausserdem sei Uriella durch die Narkosemittel der Ärzte vergiftet worden, sagte Icordo.

Vor einem Jahr noch hatte Icordo ein Comeback von Uriella angekündigt: «Wir werden spätestens im Juni 2008 einen Fernsehauftritt bestreiten. Auf welchen Sender die Wahl fällt, wird Jesus bestimmen.» Liest man die neuen Botschaften, wird es kaum mehr dazu kommen.

Kein Kommentar von Icordo

Vor zwei Jahren umfasste Fiat Lux schätzungsweise noch 300 Anhänger. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Fiat Lux auseinanderfällt, bevor die vielen Endzeitszenarien eintreffen, die Uriella prophezeit hat. Icordo weigerte sich, zu den jüngsten Entwicklungen im Orden Stellung zu nehmen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.04.2009, 23:36 Uhr

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