«Kein Kavaliersdelikt»: Widmer-Schlumpf verteidigt Festnahme von Polanski

Aktualisiert am 28.09.2009
Die Präsidenten der Parteien beurteilen die Verhaftung von Filmemacher Roman Polanski in Zürich unterschiedlich. Für Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf ist der Fall klar.
topelement Roman Polanski wurde im September in der Schweiz verhaftet. Der Regisseur erschuf internationale Leinwand-Klassiker, darunter «Ekel» (1965 mit Catherine Deneuve), «Tanz der Vampire» (1967), «Rosemary's Baby» (1968), «Chinatown» (1974), «Frantic» (1988) und 2002 der Alterserfolg «Der Pianist». Bild: Keystone Mehr Bilder (26)

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hat die Festnahme des Starregisseurs Roman Polanski bei der Einreise in die Schweiz verteidigt. Rechtsstaatlich sei dies der einzig gangbare Weg gewesen, sagte die Justizministerin am Sonntagabend in Bern. Für die Empörung der Filmbranche zeigte sie nur bedingt Verständnis.

Widmer-Schlumpf unterstrich vor den Medien, dass seitens der USA kein Druck auf die Schweiz ausgeübt worden sei. Polanski werde seit 2005 von Interpol ausgeschrieben und mit den USA bestehe wie mit anderen Ländern auch ein Vertrag, der die Schweiz verpflichte, Personen festzunehmen, gegen die ein Haftbefehl vorliege. «Es war klar, dass wir dem Gesuch entsprechen», sagte Widmer-Schlumpf. Rechtsstaatlich sei dies der einzige Weg gewesen, den man habe gehen können.

«Es geht nicht um ein Kavaliersdelikt»

Widmer-Schlumpf würdigte zwar Polanskis Filmschaffen: «Ich kenne seine Filme. Sie haben mich sehr beeindruckt.» Sie machte aber auch deutlich, dass es keinen Grund gebe, ihn aufgrund seiner Stellung anders zu behandeln. «Zudem geht es nicht um ein Kavaliersdelikt», sondern um den schweren Straftatbestand einer Vergewaltigung. In diesem Zusammenhang zeigte die Justizministerin auch wenig Verständnis für die Empörung der Schweizer Filmemacher, die die Festnahme scharf kritisiert hatten. «Ich verstehe die Filmer aus ihrer Optik als Künstler, aber nicht als Staatsbürger», sagte Widmer-Schlumpf. Schliesslich würden gerade sie sich auch immer wieder für Ethik, Moral und Gleichbehandlung einsetzen.

Auf die Frage, weshalb Polanski nicht bereits bei früheren Besuchen in der Schweiz festgehalten wurde, erklärte die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD), die Behörden seien damals nicht im Vornherein informiert gewesen. Diesmal sei sein Besuch aber angekündigt worden, und Polanski müsse sich der Risiken bewusst gewesen sein.

Laut Widmer-Schlumpf bleibt der 76-jährige Regisseur bis zum Abschluss des Verfahrens in Zürich. Die USA hätten 60 Tage Zeit, ein formelles Auslieferungsgesuch nachzureichen. Und man sei natürlich daran interessiert, die Situation möglichst rasch zu klären.

Reaktionen der Parteien

FDP-Präsident Fulvio Pelli sagte auf Schweizer Radio DRS, die Festnahme überrasche ihn. Aus der Vergangenheit von Polanski gebe es aber eben nicht nur schöne Filme, sondern auch «ungeheuer schlechte Informationen». Polanski habe sein Vergehen gestanden und sei deswegen aus den USA geflohen.

SVP-Präsident Toni Brunner sah Hinweise, wonach die «Schweiz als verlängerter Arm der US-Justiz» gehandelt haben könnte. Versuche, fremden Herren zu dienen, seien gefährlich. CVP-Präsident Christophe Darbellay bezeichnete die Vergewaltigung eines Kindes als «die schlimmste Sache». Er würde Polanski sofort in die USA ausschaffen, sagte er.

Für Ueli Leuenberger, den Präsidenten der Grünen, war die Festnahme des Ehrengastes des Zurich Film Festival völlig unverständlich. Der Filmemacher sei in der Vergangenheit mehrmals unbehelligt in die Schweiz eingereist. SP-Präsident Christian Levrat schliesslich mochte den Vorfall nicht kommentieren. Es handle sich um eine Angelegenheit der Justiz, und er kenne die Ausgangslage nicht.

(vin/ap/sda)

Erstellt: 27.09.2009, 17:51 Uhr

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