Erster Verurteilter von rund einem Dutzend Verdächtiger: Raymond Jessop nach der Urteilsverkündung. Bild: KEYSTONE/AP
Zum ersten Mal wurde ein Mitglied der texanischen Polygamisten-Sekte «Fundamentalist Church of Christ of Latter-Day Saints» verurteilt. Wegen Missbrauchs einer Minderjährigen muss der 38-jährige Raymond Jessop zehn Jahre hinter Gitter, wie der US-Sender CNN am Mittwoch meldete. Gemäss Medienberichten war das Opfer erst 15 Jahre alt, als Jessop es zur Frau nahm. Kurze Zeit später wurde es schwanger.
Bei der «Fundamentalist Church of Christ of Latter-Day Saints» handelt es sich um eine extremistische Abspaltung der Mormonen. Die Sekte war im Frühjahr 2008 wegen des Verdachts sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in die Schlagzeilen geraten. Die Behörden hatten damals mehr als 400 Kinder von der Ranch der Sekte weggebracht. Nach wochenlangem Tauziehen hatte ein Gericht die Rückkehr der Mädchen und Jungen angeordnet, weil nicht ausreichend nachgewiesen worden sei, dass sie sich in akuter Gefahr befunden hätten.
Aufgrund gefundener Dokumente strengte die Justiz seither allerdings Prozesse gegen ein knappes Dutzend Sektenmitglieder an. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten Fälle von Kindesmissbrauch nicht gemeldet oder seien selbst darin verwickelt. Laut Experten gibt es rund 10'000 Anhänger der Sekte, die zumeist an der Grenze zwischen Utah und Arizona leben. Die Gruppe hatte sich von der offiziellen Mormonen-Kirche getrennt, nachdem diese 1890 die Polygamie (Vielehe) des Mannes mit mehreren Frauen aufgegeben hatte.
(oku/sda)