BZGrafik: Signer
Zum Glück gibts beim Berner Zytgloggeturm zusätzlich zum weltberühmten Glockenspiel noch das – weniger oft fotografierte – Pissoir. Die Männer erhalten die Möglichkeit, sich gratis zu erleichtern. Für Frauen und alle, die sitzen müssen, wird die Suche nach einem geeigneten Örtchen zum Orientierungslauf durch den Stadttschungel.
Denn frei zugängliche Gratistoiletten sind in den letzten Jahren zahlreicher aus Berns Gassen verschwunden als SP-Sitze aus dem Stadtrat. Zuletzt wurde das WC im Coop-City Spitalgasse geschlossen. Eine Ausnahme bildet die neu gebaute Doppeltoilette neben der Heiliggeistkirche. Leider ist diese Oase viel zu oft besetzt.
Schamgefühl
Was bleibt anderes übrig, als sein Geschäft in einer Ladentoilette zu erledigen, solange der Robidog für Zweibeiner keine Lösung ist? Doch der Versuch in diversen Kleiderboutiquen ist zum Scheitern verurteilt. «Kann ich Ihnen helfen?» – die obligate Frage der Verkäuferinnen treibt dem WC-Suchenden die Schamröte ins Gesicht. Und er verlässtzunehmend verkrampften Schrittes das Geschäft.
Erziehungsfragen
Bei den Fastfood-Giganten McDonalds und Burger King sind die Toiletten ebenso abgeschlossen wie im Restaurant Tibits im Bahnhof. Zeit, den vierstelligen Code zu knacken, hat nur, wer nasse Hosen riskiert. Das gleiche Schicksal erfährt man in den Kinos City und Splendid. Und der zaghafte Versuch, das Ciné Sex zu betreten, bricht der WC-Suchenden beim Gedanken an ihre protestantische Erziehung ab.
Verzweifelter Blick
Im Sportgeschäft Vaucher müsste sie beim Kundendienst den Toilettenschlüssel persönlich abholen. Sie fragt sich, ob man in der Not den gefährlichen Vaucher-Lift vollmachen darf? Leider fehlt diesem die schützende Türe.
Erlösung findet die Geplagte im Warenhaus Loeb. Zwar wurde das begehrte Örtchen dort ins fünfte Stockwerk verlegt. Ansonsten wird man für Berner Verhältnisse verwöhnt: Der verzweifelte Blick beim Verlassen des Aufzuges fällt dem geschulten Personal schneller auf, als man suchen kann: «Ah, Sie müssen gehen Sie links und dort vorne die zweite Türe rein.»
Endlich!
(Berner Zeitung)