Ankunft vor dem St.-Jakobs-Park: Ein Grossaufgebot der Basler Polizei erwartet die Fans aus Zürich. Reto Oeschger
Das Vokabular klingt drohend, die Botschaft beschwichtigend. «Wie immer wird das Bullenaufgebot riesig sein und Aggressionen schüren», warnt ein schmales Flugblatt, das die Leute von der Zürcher Südkurve den Fans im Zug verteilen. «Lasst euch nicht provozieren und verzichtet auf Knallpetarden, Stilos usw., die momentan mehr schaden als nützen.» Der Sonderzug hält vor dem Basler St.-Jakobs-Park. Die Leute drängen aus Türen und Fenstern, besammeln sich und marschieren singend auf das Stadion zu. Die Polizei steht massiert, aber unbewegt. Zwischen den Zürcher und Basler Fans sind Eisenriegel aufgebaut.
Die Fahrt nach Basel ist entspannt verlaufen, um nicht zu sagen heiter. Der Zug hat seine blauweissen Passagiere gemächlich durch die verschneite Schweiz gefahren. In den Abteilen hat es nach Bier gerochen, Haschisch, Zigaretten und nassen Kleidern. Die Fans haben sich aufs Spiel gefreut und bereitwillig davon erzählt. In und gegen Basel sei es schon speziell, haben sie gesagt, die Stimmung dort, das Stadion sowieso, und dann die alte Rivalität. Da sei einfach mehr los als an anderen Spielen, sogar beim Derby gegen GC. Eine kurze Umfrage im Abteil hat ergeben: Zürich gewinnt natürlich. Fünf zu eins, sagt einer – «was Luzern schafft, können wir auch.» Alle lachen.
Bis unters Dach
Um vier beginnt das Spiel. Die Zürcher Fans trommeln, pfeifen und rufen, die Muttenzer Kurve auf der anderen Seite ruft, pfeift und trommelt. «Unser FCZ steht vor einer wichtigen Hürde auf dem Weg zur Meisterschaft», schreiben die Südkurvler auf ihrem Flugblatt. «Für die Kurve heisst dies, dass wir ebenfalls doppelt so viel geben müssen! Parat sein von der ersten Minute an. Singen und schreien von unten links am Geländer bis oben rechts unter dem Stadiondach.» Die Fans geben. Sie sind parat. Sie singen und schreien. Vom Geländer bis unters Dach.
Dennoch hat der FC Basel den besseren Start, man spürt den Druck, der auf den Spielern lastet. Wenn die Basler heute verlieren, ist die Meisterschaft vermutlich gelaufen. Aber sie bauen ihr Spiel viel zu kompliziert auf, so wird das nichts. Wenig später kombiniert der FCZ den Ball zügig nach vorn, Eric Hassli bekommt ihn in den Lauf gepasst und schiesst elegant am Basler Goalie vorbei ein, eins zu null nach 14 Minuten, die Zürcher Ränge beben, auf der anderen Seite ist eine leichte Abkühlung zu registrieren. Trotz guten Chancen auf beiden Seiten flacht die Erregungskurve ab.
Nach dem Seitenwechsel erhöht der FC Basel den Druck, schafft den Ausgleich und dann die Führung. Dennoch hören die Zürcher Fans keinen Moment lang auf, ihre Mannschaft anzufeuern, und sie lassen sich von den weit verzogenen Distanzschüssen ihrer Mannschaft nicht entmutigen. Es reicht dann trotzdem nicht. Friedlich und zufrieden ziehen die Basler ab, enttäuscht und friedlich die Zürcher.
Empfehlung: Laptop zu Hause lassen
Erst im Zug schlägt die Stimmung um. Die Leute reden jetzt viel lauter, sogar das Lachen klingt gereizt, von Fussball spricht keiner mehr. Einer blutet am Kopf, es hat Scharmützel mit den Baslern gegeben. Der Zug fährt an und bleibt gleich wieder stehen, einer hat die Notbremse gezogen. Die Leute stehen am Fenster und schauen in die Nacht.
Und dann geht alles sehr schnell. Drei vermummte Typen treten auf einen zu, man wird angeherrscht, hochgerissen und durch den Wagen gestossen. Die einen stehen da und johlen, andere versuchen die Lage zu beruhigen. Ein Faustschlag, zwei Fusstritte und mehrere Flüche später stolpert man aus dem Zug und steht in der Kälte, schwer atmend und benommen. Was ist passiert? Es steht zwar nicht in der Wegleitung der Südkurve, dennoch sei die Empfehlung nachgereicht: Das Aufklappen von Laptops in Sonderzügen ist zu unterlassen; man wird sie für einen Journalisten halten.
(Tages-Anzeiger)