Drei Zeitungen, ein Portal

Von Reto Hunziker . Aktualisiert am 08.08.2008
Newsnetz ist das gemeinsame Projekt von «Tages-Anzeiger», «Basler Zeitung» und «Berner Zeitung». Drei Zeitungen gestalten ein Online-Portal, bleiben dabei aber unabhängig – wie geht das?
topelement Wenige Stunden vor dem Start des neuen Tages-Anzeiger Online und von Newsnetz: Sitzung der Mantelredaktion in Zürich. Mehr Bilder (6)

Newsnetz funktioniert nach dem Mantelprinzip: Die Hauptredaktion in Zürich ist für den gemeinsamen Teil des Portals – den Mantel – verantwortlich, während die einzelnen Lokalredaktionen die spezifischen Inhalte für die Region generieren. Das Modell nutzt Synergien und gewährleistet den einzelnen Partnern trotzdem die grösstmögliche Autonomie. So kann baz.ch beispielsweise ihre Themen ganz anders gewichten als es Tages-Anzeiger Online tut. Sie kann eine lokale Geschichte als Aufmacher auf der Front bestimmen oder die Storys nach Belieben wechseln. So steht auf der baz.ch-Front womöglich «Triumphaler Sieg», wenn der FCZ gegen den FCB verliert, während tagi.ch weiter hinten «Grosse Schmach» titelt.

Nach dem Motto «zusammen sind wir stark» bündelt das Mantelmodell die Ressourcen der drei Partner. Das öffnet Newsnetz eine breitere Leserschaft und ist dadurch auch für Inserenten attraktiver. Dank der gemeinsamen «Grundversorgung» mit nationalen und internationalen Themen kann Newsnetz die dadurch eingesparte Manpower in die Lokalredaktionen investieren. Diese können sich so ganz auf ihre Kernkompetenz konzentrieren.

Jeweils sieben Lokalredaktoren – darunter erfahrene Lokaljournalisten – arbeiten in Zürich, Bern und Basel und recherchieren Geschichten speziell für ihre Region. Das ist in der Schweiz bisher einmalig: Zum ersten Mal wird lokaler Onlinejournalismus betrieben. Zudem versehen die Lokalredaktionen ihre News mit Multimedia-Elementen und auch die Serviceleistungen kommen nicht zu kurz: Am Ende soll der Leser mit mehreren Sinnen wahrnehmen können, was in seinem Bezirk passiert – sei es in Politik, Sport oder Unterhaltung. Dank vereinten Kräften ist das möglich. Ein Verlag alleine jedoch hätte mit der Finanzierung eines so aufwändigen Projekts Mühe gehabt.

Der Betrieb eines Kooperationsmodells ist aber auch mit einem Mehraufwand an Koordination verbunden. Tagi.ch, BaZ.ch und espace.ch sind deshalb in ständigem Kontakt über alle erdenklichen Kommunikationskanäle und arbeiten eng zusammen – für eine Win-win-win-Situation.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 05.08.2008, 10:54 Uhr

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