Schön wars! Zivilschützer schiessen ein Erinnerungsfoto.
Dies bestätigt auch Anton Melliger, der Leiter des Zürcher Militär- und Zivilschutzamtes, und sagt nun erstmals, was der Ersatz dieser Ausrüstung in etwa kosten dürfte: «Ich rechne mit 60 bis 100 Millionen Franken, verteilt über einige Jahre.» Zu ersetzen sind etwa Baumaschinen, die noch aus dem Jahr 1969 stammen – Helme, die keinen Schutz mehr bieten, oder Winterkleider, die nicht mehr warm genug geben. Von einer Rechnung in ähnlicher Höhe geht auch Melligers Berner Amtskollege Hanspeter von Flüe aus. «Wir müssen dringend mit dem Ersetzen beginnen», fügt er an.
Der Bund will nicht zahlen
Hier beginnt freilich das Problem. Denn Bund und Kantone streiten darüber, wer für dieses Material bezahlen muss. Die Kantone stellen sich auf den Standpunkt, dies sei Aufgabe des Bundes, und verweisen dabei auf das geltende Zivilschutzgesetz: «Der Bund sorgt für das standardisierte Material des Zivilschutzes», heisst es dort.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz weist diese Interpretation indes zurück. Mit standardisiertem Material sei lediglich die Ausrüstung gegen biologische und chemische Waffen gemeint, sagt Sprecher Kurt Münger. Im Übrigen sei die Zuständigkeit für die Finanzierung bei der Ausarbeitung des Gesetzes klar festgelegt worden. Und demnach müssten für Räumgeräte, Helme und ähnliche Gegenstände grundsätzlich die Kantone aufkommen.
Leasen als Lösung
Von einer Einigung sind die Streithähne noch weit entfernt, wobei sich die Kantone freilich in der schlechteren Verhandlungsposition befinden. Denn sie müssen die Zivilschützer schon heute mit ungenügendem Material in den Einsatz schicken und dafür die Verantwortung übernehmen. «Wir können doch die Leute nicht mit Material arbeiten lassen, das die Sicherheitsbestimmungen nicht mehr erfüllt», empört sich denn auch Anton Melliger.
Er hat darum das Heft in die Hand genommen und sich darangemacht, eine Beschaffungsplattform für alle Kantone aufzubauen. Durch den gemeinsamen Einkauf könne man die Preise drücken und gleichzeitig sicherstellen, dass alles Material zusammenpasst, sagt er. Noch weiter geht sein Berner Kollege von Flüe. Er schlägt angesichts der knappen Finanzen vor, gewisses Material gar nicht mehr zu kaufen, sondern nur noch zu leasen. Auf diese Weise müsse man nicht unnötig Geld für Geräte ausgeben, die im besten Fall ja gar nicht gebraucht würden – und so höchstens Standschäden erlitten.
Zusammenarbeit hat sich verschlechtert
Trotzdem hoffen Melliger und von Flüe, dass der Bund letztlich doch noch wenigstens einen Teil der Beschaffungskosten übernimmt. Vorbringen wollen sie dies nun im März an einem Workshop, an dem Bund und Kantone ganz generell besprechen werden, wie der Zivilschutz künftig aufgestellt sein soll. An Diskussionsthemen fehlt es nicht: Maurers Bericht bemängelt ganz grundsätzlich, dass sich die Zusammenarbeit der verschiedenen Partner im Zivilschutz verschlechtert habe – eine Bilanz, welche die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerates mittlerweile als «gravierend» einstuft.
(Tages-Anzeiger)
Die Schweizer Zivilschützer sind eine Truppe mit viel Personal und vielfältigem Profil. Eingeteilt wird, wer für Armee oder Zivildienst als untauglich befunden wird. Im Jahr 2008 zählte die Truppe rund 80 000 Aktive (verglichen mit 130 000 Aktiven in der Armee). Dazu kamen 50 000 Reservisten, die nicht mehr zum Dienst aufgeboten werden – oder mangels Einsatzmöglichkeiten gar nie wurden.
Aufgabe der Zivilschützer ist es, im Verbund mit Polizei, Feuerwehr, Sanität
und technischen Diensten für den Schutz der Bevölkerung zu sorgen. Dazu betreiben sie Schutzbauten, sichern Kulturgüter oder helfen bei Sicherungs- und Aufräumarbeiten. Unter diesem Titel bauen die Zivilschützer auch Festzelte auf und pflegen jugendliche Rauschtrinker oder Wanderwege, was in der Politik immer wieder Fragen aufwirft. Die letzte stellte der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer, der selber als Zivilschützer auf dem Uetliberg Magerwiesen mähte. Sein Vorstoss, die Truppe nur noch für wirkliche Ernstfälle aufzubieten, wurde aber letzten Herbst im Ständerat beerdigt.
Dass der Zivilschutz für Missbrauch anfällig ist, wird amtlich belegt. Etliche Gemeinden haben Zivilschützer für eigene Arbeiten eingesetzt, mit dem Effekt, dass die Erwerbsersatzordnung den Lohn übernahm. Das Betrugsvolumen beläuft sich auf mehrere Millionen Franken. Dieses Geld fordert der Staat nun zurück.